Am Neuen Gymnasium gilt seit einigen Wochen ein explizites Handy-Verbot, beschlossen vom Schulvorstand, mit den Stimmen der Eltern, gegen die Stimmen der Schüler (mit 12:4). Das Handy muss im Unterricht ausgeschaltet sein, außerhalb – etwa zur Abholung bei Ausfällen – darf es auf Anfrage beim Lehrer benutzt werden. Schulleiter Wieland Herold sagt: „Damit folgen wir den im Schulzentrum an Haupt- und Realschule bereits geltenden Regeln.“
Herold über den Anlass: „Es gab pornografisches Material, zudem sind die Handys quasi die Spickzettel dieser Tage, es gab Täuschungsversuche während Klausuren, wo wörtlich aus dem Internet abgeschrieben wurde.“ Auch unerwünschte Filmaufnahmen von Schulhofszenen sollen so verhindert werden. Oberstufenschüler dürften das Handy aber für „effektives Arbeiten“ in Bibliothek oder Pausenhalle nutzen.
Geräte landen im Tresor
Bei Verstößen ist das Gerät für den Rest der Woche weg, im Tresor des Direktors. Nach der sechsten Stunde am Freitag kann es vom Schüler dort wieder abgeholt werden. In der ersten Woche landeten fünf Handys im Tresor, in der zweiten drei und in dieser Woche war es bis Mittwoch eins. Die Schülervertretung ist nicht einverstanden. Neele Theunert (18) sagte am Mittwoch auf Anfrage: „Ausschalten im Unterricht ist klar, in den Pausen sollte man es aber benutzen dürfen. Ein komplettes Verbot ist ohnehin sinnlos. Handys sind für uns Schüler ein recht wichtiger Teil unserer Kommunikation, wir wollen damit ja nichts Verbotenes machen.“ Auch am Herbartgymnasium dürfen Handys im Unterricht und auf dem Schulhof nicht benutzt werden. Für Notfälle steht das Sekretariat zur Verfügung oder Lehrer geben Einzelfall-Erlaubnisse. Wer dagegen verstößt, kann es am Mittag des selben oder des nächsten Tages beim Direktor wieder abholen. „Das sind aber nur Einzelfälle, ein- bis zweimal in der Woche“, sagt Schulleiter Günther Tillmann. „Das ist hier alles sehr transparent.“ „Gut eingespielt“ hat sich laut Inge Oesterling, stv. Leiterin der Helene-Lange-Schule, auch das generelle Handyverbot an der IGS. „Es passiert immer seltener, dass Schüler dagegen verstoßen.“ Ansonsten lande das Handy im Sekretariat und könne dort nur von den Eltern wieder abgeholt werden. Oesterling: „Die Eltern stehen dahinter.“
Eltern werden eingeladen
Verboten sind Handys auch an der Haupt- und Realschule Ofenerdiek. Telefoniert werden darf erst nach der sechsten Stunde – sonst ist das Handy bis zum Mittag weg, im Wiederholungsfall auch länger. Wenn damit gefilmt wurde, werden die Eltern eingeladen. Schulleiter Paul Vogel: „99 Prozent der Eltern akzeptieren das.“ Außerdem sollten die Pausen dem Miteinander dienen, „und nicht alle mit Handy am Ohr rumflitzen“. Das Trinken im Unterricht ist in der Regel erlaubt, es sollte aber unauffällig sein und die Flaschen sollten eher unterm Tisch stehen. Inge Oesterling: „Ich will hier kein Frühstücks-Szenario auf dem Tisch.“ Am NGO darf in einer Doppelstunde in der Regel nur noch nach 45 Minuten kurz getrunken werden. Bei den verschiedenen Verstößen gegen die Schulordnung sind sich die Schulen ebenfalls weitgehend einig: Die Strafe sollte in Bezug zum Verstoß stehen und pädagogisch sinnvoll sein. Die stumpfe Abschrift ellenlanger Hausordnungen wird in der Regel abgelehnt. Eher läuft es heute auf soziale Dienste oder Reflexionsaufgaben hinaus. (24.02.2011)