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„Ich hab ein Bett im Kornfeld…“ PDF Drucken
Weit weg - Antje Mayländer
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… in Lincoln in Nebraska - „The Middle of Nowhere“, wie ich vor ein paar Jahren in Englisch gelernt hatte. Na ja, jetzt bin ich genau da und es gefällt mir wirklich gut. Die Stadt hat eine gute Größe, um als Austauschschüler hier zu leben. Ohne Auto kann ich leider nirgendwohin fahren. Fahrrad zu fahren wäre zu gefährlich, wegen den vielen Autos. Wenn wir zur Bank oder Bücherei fahren, geht’s auch durch den „Drive Thru“.

Ich lebe bei einer netten Familie, die Eltern sind jung und ihre beiden Töchter sind vier und acht Jahre alt. Das Haus ist in einer neuen Nachbarschaft, wo alles gleich aussieht. Am Anfang hatte ich meinen Gastvater gefragt (er ist Mexikaner), warum die Häuser hier aus so dünnem, billigem Material sind und er meinte darauf, dass Amerikaner ihr Geld für Autos oder große Kühlschränke ausgeben. Und das kann ich nach 3 Monaten wirklich bestätigen! Was aber nicht unbedingt schlecht sein muss, die Kühlschränke sind ziemlich luxuriös.

Ich hab' Schule von 7.57 bis 15.01 Uhr, die Zeiten sind hier wirklich sehr genau. Letztens bin ich noch so gerade der Black Box entkommen. Das ist ein schwarzer Raum, in dem alle Schüler den ganzen Tag sitzen müssen, wenn sie dreimal verspätet zum Unterricht waren oder sonst irgendwas „Böses“ gemacht haben. Zwischen den Unterrichtsstunden haben wir nur fünf Minuten Pause, aber wirklich genau fünf Minuten. In der letzten Minute werden die Sekunden abgezählt. In den Hallways stehen dann Security Guards, die aufpassen. Mich haben sie noch so durchgehen lassen. Zum Glück.

Noch etwas Neues an meiner Schule sind IDs: Mein Bild mit Strichcode auf einer Karte, die man den ganzen Tag als Ausweis tragen muss. Ohne den kommt man nicht in die Schule und dann würde man als abwesend angesehen und na ja bei dreimal geht’s in die Black Box.

Das erste Quarter ist vorbei und somit auch die Herbstsportarten. Ich hatte Cross Country, das ist ähnlich wie Langlauf. Jeden Tag nach der Schule bis 17.30 Uhr hatte ich Training und samstags um 8 Uhr morgens. Das war erstmal ungewohnt, aber ich bin froh, dass ich es trotzdem bis zum Ende geschafft habe. Sport ist sehr wichtig hier und fast jeder hat macht auch jeden Tag Sport. Meine achtjährige Gastschwester spielt Volleyball. Das Netz ist ziemlich tief unten und es sieht wirklich niedlich aus, wie sie alle so unschuldig auf den Ball warten! Dafür ist aber auch deren Teamgeist oder der Wille zu gewinnen sehr groß. Vielleicht sogar zu groß, manchmal. In diesem Quarter hatte ich versucht ins Theater zu kommen, aber bei den Try Outs bin ich dann auch schon gescheitert.

Auf einer Schulversammlung wurde das Lied „I’m proud to be an American“ gespielt und alle konnten mitsingen. Sie sind alle so stolz. Nach einer Woche Fall Break fing das zweite Quarter an. Nächste Woche Donnerstag ist Thanksgiving. Am Freitag ist ein ganz großer Christmas–Sale in den Malls, um drei Uhr morgens! Wir gehen trotzdem… Damit fängt dann Weihnachten an! Eigentlich habe ich den ersten Weihnachtsbaum aber schon im September gesehen. Ich freu' mich schon…

Lieber Gruß aus dem wahrscheinlich größten Kornfeld der Welt!
Antje (49/30.11.2008)

 

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