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Als wir, einige Schüler der Klasse 9c, der Landesbibliothek näherkommen, überraschen uns mehrere Hundert Menschen, die dicht gedrängt vor und in der Bibliothek stehen und auf den Beginn des diesjährigen Erinnerungsgangs warten. Auch der Hinterhof ist gefüllt mit überwiegend schwarz gekleideten Teilnehmern, die der Rede der Veranstalter, einem Vortrag eines ehemaligen KZ- Gefangenen und vielen anderen gespannt zuhören.
Zwischen den Vorträgen treten die Schüler der BBS Wechloy, welche die Gestaltung der Gedenkaktion übernommen haben, auf das Podest und zeigen selbstgestaltete Standbilder. Außerdem kann man in den Fenstern die Schattenbilder bewundern, die den Davidstern, einen Koffer und die Menora, einen 7- armigen Leuchter, darstellen.
Mit Transparenten schweigend durch die Stadt
Gegen 15.00 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Zu Beginn werden Transparente getragen, auf denen z.B. „Nichts ist vergessen, niemand wird vergessen!“ steht. Bereits nach kurzer Zeit ist die abgesperrte Peterstraße gefüllt mit Menschen, die größtenteils schweigend weiter Richtung Stadt ziehen.
Ein jüdisches Gebet und 100 Rosen
Vor der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge gegenüber des PFL halten wir zum ersten Mal an. Dort gibt es eine weitere Einführung und Vorträge, dann wird das Kaddisch, ein jüdisches Gebet, vorgelesen. Es wird darum gebeten, zu schweigen und man kann die Übersetzung in den verteilten Prospekten mitlesen. Dann werden 100 Rosen verteilt, die auf die Denkmalstätte gelegt werden können. Dabei wird alles von den zahlreich erschienenen Kamerateams und Fotografen dokumentiert.
Hab und Gut in nur einem Koffer
Überall in den verschiedenen Abschnitten haben die Veranstalter alte Koffer verteilt, die auf die eigentliche Bedeutung des Gangs hinweisen. Auf dem Weg ins KZ durfte jeder Häftling nur einen Koffer mitnehmen, der für das wichtigste Hab und Gut ausreichen musste.
Unterschiedliche Meinungen und Kommentare der Passanten
Während sich einige Passanten auf unserem Weg durch die Stadt beeindruckt äußern: „ Das finde ich ja toll, dass da so viele mitmachen!“, gibt es aber auch andere, die sich durch die Menschenmenge gestört fühlen. Besonders überraschend war die Reaktion: „Also, das ist ja echt unmöglich, wegen denen musste ich einen riesen Umweg um die Peterstraße fahren. Tot ist tot, Vergangenheit ist Vergangenheit und irgendwann muss man auch vergessen können!“
„Erinnern ist die Grundlage der Versöhnung“
Am Gefängnis angekommen versammeln sich alle Teilnehmer und die Öllampe wird von den Vertretern der Haupt- und Realschule Osternburg an die Cäcilienschule weitergegeben. Zum Schluss bedanken sich die Veranstalter für die große Unterstützung und für die hohe Anzahl der Teilnehmer. Beendet wird der Erinnerungsgang 2011 mit dem Gong und den Worten: „Erinnern ist die Grundlage der Versöhnung.“
Erinnerungsgang – ein beeindruckendes Erlebnis
Nach diesem informativen und bemerkenswerten Gang habe ich zum ersten Mal wirklich realisiert und verstanden, was diese schreckliche Zeit für die damaligen Betroffenen bedeutet haben muss. Meiner Meinung nach sollte am unbedingt einmal an dem Erinnerungsgang teilgenommen haben. (17/20.11.2011)
Linda Elsner ist Schülerin der Kl. 9c
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