Auch anderswo gibt es Klagen über das Bildungssystem. Die Auslands-Korrespondenten des NGO-Onlinemagazins haben im vergangenen Jahr häufig über Seltsamkeiten an ihrer Schule fernab der Heimat berichtet. Da gibt es gar keinen vernünftigen Unterricht (Brasilien), Mathearbeiten werden bei Minusgraden im Klassenzimmer geschrieben (Litauen) oder man bedauert den letzten Platz in der PISA-Studie (Mexiko).
Ich glaube, befürchte, dass keiner, der es nicht einmal gesehen hat, sich gar nicht richtig vorstellen kann, was es heißt, ein Dritte-Welt-Land zu sein. Immer wieder höre ich in der Schule, wie von Europa erzählt wird. Wie von einem großen Vorbild. Meine Mathelehrerin hat uns einmal erzählt, dass sie in einer Zeitschrift gelesen hat, dass Mexiko auf dem letzten Platz des Pisa-Tests steht. Und wir beschweren uns, dass wir Finnland noch nicht überholt haben. Den Mexikanern ist zwar vollkommen bewusst, dass sie was ändern müssen, doch sie selbst können einfach nichts machen Regina Schönfeld/Tulancingo, Mexiko aus: Menschenrechte als Fernseh-Werbung (Februar 2008)
Unsere Schule ist sehr groß (11 Klassen im 11. Jahrgang), aber die "Schulausstattung" ist schrecklich. Die Klassenzimmer sind winzig, die Stühle und Tische meist kaputt und viel zu klein. Im Winter wird es hier über -30° kalt (ab -26° müssen wir nicht mehr zur Schule gehen) und meine Schule hat keine guten Heizungen. Als ich letzte Woche in unseren Matheraum kam, war meine Lehrerin dabei, Seiten aus Matheheften zu reißen und in die Ritzen zwischen den Fenstern zu stopfen. Dann hat sie Tesafilm darüber geklebt. Das machen im Moment alle Lehrer mit ihren Räumen, um sich vor dem Winter zu schützen. Ein anderes Bespiel: Wir schreiben im Moment ganz viele Aufgaben aus den nächsten Buch-Kapiteln ab (wenn wir denn Bücher haben), damit wir im im Winter nicht schreiben müssen. Denn dann ist es so kalt in den Räumen, dass wir mit unseren Mänteln und Schal und Mütze dort sitzen werden und dann nicht schreiben können werden. Denn wenn wir die Handschuhe ausziehen, werden unsere Hände so kalt, dass wir auch nicht schreiben können... Vieles ist hier sehr anders!!!
Die Toiletten an unserer Schule sind (bis auf vier) ohne Türen. Das war am Anfang ein ganz "schöner" Schock für mich... Hat aber auch Vorteile, das fördert die Kommunikation ("Hey, na, wie läufts? Alles klar? Ja, läuft gut" ;-)). An Toilettenpapier ist gar nicht zu denken... Die Toiletten verfolgen mich sowieso schon dieses ganze Jahr. Nicht nur, dass es bei meinem ersten Satz um sie ging - sie sind einfach symbolisch für Litauen. Denn manchmal (dort wo Touristen hinkommen) sind sie auf einmal SAUBER, MIT Türen (Wahnsinn!), MIT Papier, MIT Waschbecken, MIT Seife... Aber halt nur dort, wo Touristen sind - oder in Shopping-Centern, dort wo die Öffentlichkeit hinkommt/hinguckt. In die Schule wird nicht investiert. Isabell Strauß/Vilnius, Litauen (November 2007) aus: Ein anderes Land
Meine Schule ist die Marshfield High School mit einem Piraten als Maskottchen. Es finden wöchentlich Pep-Assemblies statt, bei denen sich die gesamte Schule, begleitet von der Marching Band, in der Sporthalle versammelt und meistens eines der Sportteams feiert oder für das nächste Spiel anfeuert. Bis vor zwei Wochen galt das hauptsächlich dem Football-Team. Die Spiele sind der Hammer! Leider ist die Saison vorbei. Doch es war einfach toll, dort jeden Freitag die halbe Schule zu treffen, für unsere Piraten zu grölen und mit - oder über?? - die Cheerleader zu lachen… Es ist bereits November und die Sportarten in der Schule haben sich auf den Winter umgestellt. Es werden nun Basketball, Cheerleading, Tanzen, Wrestling und Schwimmen angeboten. Nachdem ich in der Sommer/Herbstsaison im Fußballteam war, bin ich jetzt im Schwimmteam. Und wir haben einen Outdoor-Pool!! Das ist aber in Ordnung, denn er ist beheizt, doch wir machen uns damit bestimmt nicht bei den anderen High Schools beliebt, die nach Coos Bay zu den Swim Meets kommen und gegen die wir antreten… Wir sind nämlich die einzige Schule mit Outdoor-Pool! Dana Weise/Coosbay, Oregon, USA (November 2007) aus: Flüssigkäse aus der Dose
Ich gehe auf eine öffentliche Schule, die komplett anders ist als das NGO. Der Unterricht ist eher ungeplant und es kommt eigentlich jede Unterrichtsstunde vor, dass Schüler im Klassenraum telefonieren, aufstehen und tanzen (klingt verrückt, aber ist so) oder den Raum verlassen. Als ich zum ersten Mal in die Schule gekommen bin, war das echt ein Schock für mich, aber inzwischen habe ich mich schon an die großen Unterscheide gewoehnt. Bega Tesch/Palmas, Brasilien (September 2007) Seit ein paar Monaten verstehe ich wirklich alles, was die Lehrer sagen. In vielen Fächern hab’ ich sogar bessere Noten als meine Mitschüler (die aber zum größten Teil echt faul sind und kaum für die Schule lernen)! Ich glaube, es wird ganz schön schwer werden, mich in Deutschland wieder in die Schule einzuleben. Hier ist einfach alles so anders! Ich bin im dritten Jahr, das ist das letzte Schuljahr. Danach gehen die Schüler schon in die Universität. In Deutschland würde das wahrscheinlich der 11. Klasse entsprechen, obwohl man es eigentlich nicht miteinander vergleichen kann, weil die Fächer und der Lernstoff total unterschiedlich sind. Ich habe von Montags bis Freitags von 7.30 Uhr bis 11.45 Uhr Unterricht, also nur vier Stunden. Dafür gibt es keine Fünf-Minuten-Pausen, sondern nur eine einzige 15-minütige Pause. Meine Klasse besteht außerdem aus ungefähr 40 Schülern! Meine Fächer sind nur acht verschiedene: Mathe, Portugiesisch, Biologie, Physik, Chemie, Sport, Geschichte und Geografie. Dadurch hab ich leider schon einiges in Französisch, Spanisch und Englisch vergessen, weil ich es hier halt nicht lerne… Bega Tesch/Palmas, Brasilien (Mai 2008)
(13.06.2008)
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