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Der Autor dieses Textes erzählt von bemerkenswerten Dingen, die da in Kentucky, USA, vor sich gehen: Zerschossene Autos, Polizeisirenen, eine riesige neue Familie, Plasmabildschirme, ein ganzer Fuhrpark und Landjungs mit Schrotflinte - "Ich erlebe hier eine echt geile Zeit", mailt uns Berthold Schilling aus dem Osten der Vereinigten Staaten.
Hallo NGO, erst einmal Entschuldigung, dass ich so lange nichts geschrieben hab, ich hab euch nicht vergessen.
NEW YORK. Es war der Hammer! Ich kam in der Nacht an und wurde zu einem "Hotel" in der Nähe des Newark Airport gebracht. Dort spürte ich zum ersten Mal die Großstadtatmosphäre, als ich auf dem Parkplatz die Überreste eines Autos nach einer Schießerei sah, die Polizeisirenen liefen im Dauerbetrieb. Der Tag danach war stressig; erst hatten wir einen Workshop, dann ging`s mit Lunchpaket auf die 9-stündige Stadtrundfahrt. Alles hatte seinen Zeitplan, Zeit zum Schlafen war jedoch kaum eingeplant.
Ich musste um vier Uhr aufstehen, aber der Hotelwecker funktionierte nicht. Alle waren schon unten im Bus zum Flughafen, während ich noch schlief. Die Reiseleiterin hat mich dann doch noch per Telefonanruf aus dem Schlaf gerissen und ich bin mit Gepäck am Flughafen angekommen. Mein Weiterflug ging über Chicago, wo ich auf Grund von technischen Schwierigkeiten über zweieinhalb Stunden warten musste, zu meinem finalen Reiseziel:
KENTUCKY. Das erste, was ich in Kentucky bemerkte, war die Hitze: 39 Grad im Schatten! In Amerika ist alles ein bisschen bigger. Auf der Straße fahren meistens nur Trucks und Vans statt PKW. Sonst sind in Kentucky weite Feldlandschaften mit Tabakplantagen, Pferdezucht und Häusern, vereinzelt ein paar kleine Städtchen, aber von Großstädten keine Spur.
Die vielleicht größte Umstellung für mich als "Einzelkind" war, plötzlich in einer Großfamilie zu leben, mit den Gasteltern, einer Schwester und einem Bruder in meinem Alter, weiterhin einem jüngeren körperlich und geistig eingeschränkten Bruder, zwei jüngeren adoptierten Mädchen, einer Austauschschülerin aus Deutschland, zwei Katzen und einem riesigen Hasen (der seinen eigenen Raum hat). Aber an die Größe der Familie hab ich mich schnell gewöhnt. Meine Familie ist total nett, das einzige, was mich ein bisschen stört, ist, dass wir so oft zur Kirche gehen.
Unser Haus hat alles, was man sich wünschen kann: einen Pool, einen Airhockey-Tisch, zwei große Plasmabildschirme, zwei Trucks, einen Van, zwei PKWs, zwei Motorräder, drei Fourwheeler und ein Rhino.
Meine Schule hat ungefähr 1200 Schüler, ziemlich groß für eine High School mit vier Jahrgängen. In unserer Schule sind sechs Deutsche (!!!), eine Französin, eine Koreanerin, und eine Mexikanerin als Austauschschüler.
Die typischen Hobbys hier in Kentucky sind Football, Fourwheeling (d.h., mit Offroad-Vierradantrieb-Fahrzeugen in den schlammigen oder staubtrockenen Gebirgswäldern herumkurven) und Paintball. Ich erlebe hier eine echt geile Zeit. Ich hab auch schon Bekanntschaft mit Rednecks gemacht, das sind Landjungen, die immer mit einer Schrotflinte unterm Kopfkissen schlafen, Kautabak kauen, keine Technologie kennen und eine Abneigung gegen schwarzhäutige Mitschüler haben.
Heut ist hier zum ersten Mal richtiges Oldenburg-Wetter :-) , das heißt Regen und Sturm.
Ich denk an euch. Viele Grüße aus den U.S.A. Berthold (30.10.2007) |