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Kreativ, aber ohne Kaffeeflecken PDF Drucken
Bildungsjournal - Ausbildung

 

Ressort Deutschland/Welt

Köln/Berlin (dpa/tmn) - Ob im Buchhandel, im Internet, im Fernsehen oder Radio: Die Tipps für die richtige Bewerbung lassen sich kaum überblicken und schon gar nicht alle beherzigen. Ein roter Faden allerdings zieht sich durch alle Ratgeber und Ratschläge von Experten: «Die äußere Form der schriftlichen Bewerbung muss absolut tadellos sein», sagt Christian Wirths, Ausbildungsstellenvermittler von der Industrie- und Handelskammer Köln. «Außerdem sollten keine Rechtschreibfehler enthalten sein.»

Fatal seien Kaffeeflecken, Eselsohren oder ein schlechtes Foto, das womöglich auf billigem 50-Gramm-Papier gedruckt ist. «Jeder Jobsuchende sollte immer daran denken, dass seine schriftliche Bewerbung so etwas wie eine Verpackung ist: die Verpackung für sich selbst, das Produkt, das er verkaufen möchte», betont Wirths. Trotzdem sei Individualität gefragt: Standardfloskeln wie «Hiermit bewerbe ich mich um» und «Ich freue mich auf Ihre Antwort» seien zwar nicht falsch, strahlten aber kein hohes Engagement der Bewerber aus. «Man kann eine Bewerbung schon so konzipieren, dass man den Arbeitgeber damit auf sich aufmerksam macht.»

Feuerrot, mit grüner Tinte
Individualität und eine kreative Gestaltung der Bewerbung sind auch nach Ansicht der Ratgeber-Autoren Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader gefragt: «Wenn Sie sich dafür entscheiden, Ihre Bewerbung per Hand auf feuerrotem Papier mit grüner Tinte zu schreiben, kann das durchaus Erfolg haben, wenn es sich um einen kreativen Tätigkeitsbereich handelt.» Klar sei allerdings, dass eine solche Bewerbung bei einer großen Bank höchstwahrscheinlich im Papierkorb landet.

Generell sollte die eigene Kompetenz, Leistungsmotivation und Persönlichkeit herausgestellt werden. «Das Ziel ist zunächst nicht der neue Job, sondern die Einladung zum Vorstellungsgespräch», so die Autoren. Der Bewerber müsse klar machen, dass er etwas Besonderes für den Anbieter des Arbeitsplatzes tun könne. Vor allem viele Ausbildungsplatzsuchende scheitern schon an der ersten Hürde. Wie eine Online-Befragung der Industrie- und Handelskammer Köln unter knapp 700 Unternehmen ergab, bemängelten 61 Prozent der befragten Arbeitgeber das mündliche und schriftliche Ausdrucksvermögen, 50 Prozent kritisierten fehlende elementare Rechenkenntnisse.

Kleine Fehler werden verziehen
Doch obwohl der erste Eindruck der schriftlichen Bewerbung in den meisten Fällen entscheidend ist, geben viele Arbeitgeber dem Bewerber eine Chance, sein Können im Gespräch unter Beweis zu stellen. «Wenn der Bewerber top ist und mit Kompetenzen glänzen kann, ist eine unglücklich gewählte Formulierung in der schriftlichen Bewerbung am Ende auch nicht mehr ganz so wichtig, kleinere Fehler werden da schon verziehen», sagt Alexander Böhne von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. Er hält große Stücke auf Bewerbungen, die auf elektronischem Wege eingehen.

Manche große Firmen bekommen Bewerbungen fast nur noch online. Die Programme dafür seien effizient und hilfreich, meist müsse der Bewerber sein Profil über Eingabemasken übermitteln, wobei aber auch dort ein persönliches Anschreiben Teil der Bewerbung sei. Die große Bedeutung der Online-Bewerbungen ist nach Böhnes Ansicht zum einen der Tatsache geschuldet, dass große Unternehmen so viele Bewerbungen erhalten - hier helfe der Computer bei einer ersten Auswahl. Längst sei es für die meisten Hochschulabsolventen im Web-2.0-Zeitalter aber auch normal, sich online zu bewerben.

Bewerbung mal andersherum
Im Übrigen sieht Alexander Böhne die Rollen zunehmend anders verteilt. So habe der Fachkräftemangel der vergangenen Jahre auch Einfluss auf das Recruiting gehabt: «Es wird für die Unternehmen zunehmend wichtig, sich selbst als Arbeitgeber-Marke zu positionieren, sich von der Masse abzuheben und dadurch Interesse bei ihren potenziellen, künftigen Arbeitnehmern zu wecken.»

Dazu gehört zum Beispiel, das Unternehmen an Schulen und Hochschulen vorzustellen. «Employer Branding» nennt Böhne das Konzept, das seit einigen Jahren immer wichtiger werde. Dass in einigen Branchen Fachkräfte weiterhin gesucht werden, darf Bewerber hoffen lassen: «Wenn es zunehmend schwerer wird, gute Fachleute zu finden, sollten Rechtschreibfehler kein Ausschlusskriterium sein.» (17/19.04.2009)

LITERATURTIPP

Jürgen Hesse/Hans Christian Schrader: Das 1x1 der erfolgreichen schriftlichen Bewerbung, Eichborn, ISBN 978-3-8218-5964-4, 9,95 Euro.

WEBLINKS
@ www.bewerbung.de
@ www.ausbildungplus.de/azubis/info_zq/abps/index.html

 

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