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Nun sind schon über dreieinhalb Monate vergangen, seit ich in den Flieger nach Reno/Nevada gestiegen bin. Ich habe mich hier gut eingelebt. Gerade habe ich ein bisschen Zeit und so werde ich einmal etwas über die letzte Zeit berichten: Schule macht mir sehr viel Spaß. Die Leute sind wirklich nett und ich habe jede Menge Freunde. Meine Schule ist für ihr soziales Wesen bekannt, dort gibt es nämlich keine Cliquen. So kommt es, dass ich mit vielen verschiedenen Leuten Zeit verbringe, was mich wirklich erleichtert. Vor drei Wochen war der heißerwartete Homecoming-Dance. Dieser wird anlässlich eines der letzten Heim-Footballspiele gefeiert. Die ganze Woche vorher musste man sich mit Klamotten der 50er, 60er, 70er und 80er einkleiden, und am Freitag, dem Tag des entscheidenden Spieles, in den Schulfarben. Am Samstagabend war dann der große Tanz - man kann es ein wenig mit der NGO-Party vergleichen. Der wesentliche Unterschied ist aber der Dresscode. Von wegen prüdes Amerika Für das Mädchen bedeutet das kurzes Cocktailkleid, für den Jungen schicke Hose und Hemd. Mich hatte zwei Wochen vorher ein Senior gefragt, ob ich ihn als sein Date zum Ball begleiten würde. Dem hatte ich also zugesagt. Wir haben uns dann am Abend bei meiner Freundin zu Hause mit vier anderen Mädchen zusammen fertig gemacht. Anschließend sind wir zu einem der Jungen gefahren, denn dort hatten wir uns alle mit unseren Dates verabredet. Von da aus sind wir in Pärchen zur Schule gefahren. Da die Turnhalle als Tanzsaal verwendet wurde und wegen des Bodens hohe Schuhe verboten waren, mussten wir unsere Schuhe abgeben. Dafür waren mir meine Füße im Nachhinein sehr dankbar. Einer der Unterschiede zur NGO-Party war auch, dass wirklich jeder getanzt hat. Insgesamt eigentlich Dasselbe wie in Deutschland, nur dass Mädchen und Jungen sehr, sehr obszön getanzt haben. Da sage noch mal jemand, Amerika sei prüde. Nach vier Stunden Tanzen sind wir dann gefahren. Eine Woche später war dann Halloween. Darauf hatte sich die Nachbarschaft schon vier Wochen vorher vorbereitet. Gräber und vereinzelte Körperteile in den Vorgärten und Totenschädel auf den Zäunen. Ausnahmslos jedes Haus hatte etwas Gruseliges zu bieten. Besonders viel Mühe hat sich unser Nachbar von gegenüber gegeben: Er hatte eine Gespenstpuppe gekauft, die auf Bewegung reagiert. Als ich also eines Nachts unschuldig nach Hause kam, nichts Böses ahnend, reagiert diese Puppe mit kreischenden Lauten und wedelnden Armen auf mich. Mir ist vor Schreck mein Schlüssel runtergefallen. Den durfte ich dann in Begleitung der Puppe erstmal fünf Minuten in der Dunkelheit suchen. Genervte Halloween-Monster Am Halloweenabend selbst bin ich mit Freunden in ein Haunted House gegangen. Das ist so was Ähnliches wie ‘Das Omen’. Wir liefen also durch halbdunkle Räume, in denen sich irgendwelche Monsterschauspieler versteckt hatten. Fatalerweise dachte ich, dass die einen nicht anfassen und habe mich über einen der Darsteller lustig gemacht. Ganz blöde Idee. Der hat mich nämlich dann an meinen Füßen gepackt und umgerissen. In dem zweiten Teil des Parcours wurde es dann stockdunkel. Du konntest nicht einmal die Hand vor den Augen sehen. Am Anfang hat man uns kleine Leuchtstäbe in die Hand gedrückt. Die konntest du dann immer in den Raum vor dich werfen, um zu erkennen, wo ein Weg zu erkennen war. Auch dort waren Schauspieler versteckt, außerdem handelte es sich um ein Labyrinth und wir fanden den Ausgang nicht. Zum Schluss waren die Monster dann so genervt, dass sie uns den Weg nach draußen zeigen wollten. Riesige Party, viel Alkohol, kotzende Freundin An dem Tag danach sind wir dann zu einer Senior-Halloweenparty gegangen. In dem Moment, in dem wir die Party betraten, wusste ich, dass das ein fataler Fehler gewesen war. Es handelte sich um eine riesige Alkoholparty. Eine Party von der Sorte, vor der meine Austauschorganisation mich gewarnt hatte. Nach 20 Minuten wusste ich, dass ich dort nicht länger bleiben konnte. Wenn die Polizei kommen würde, wäre ich dran und würde mein Visum verlieren, selbst, wenn ich nichts getrunken hätte. Mein Problem: Meine Freundin hatte meine Sachen samt Schlüssel in ihrem Auto. Und genau diese Freundin lag jetzt kotzend in der Ecke, zusammen mit einem Großteil der anderen Gäste. Als ich dann noch Leuten die Haare beim Übergeben gehalten habe, dachte ich mir, dass ich nicht tiefer hätte sinken können. Zum Glück habe ich dann um ein Uhr nachts irgendwann den Autoschlüssel gefunden, sodass ich meine Sachen holen konnte. Ich ließ mich von dem einzig nüchternen Jungen nach Hause fahren. Was war ich danach froh, wieder in meinem Bett zu liegen. Lieber kein Vogelei-Cocktail Letzte Woche haben mich ein paar Jungs aus meiner Drama-Klasse zum Sushiessen eingeladen. Zum ersten Mal in meinem Leben. Zu meiner Überraschung hat es mir sogar geschmeckt. Nur an den rohen Vogeleicocktail habe ich mich dann doch nicht getraut. - Ich genieße die neuen Erfahrungen, die ich hier mache, die guten und die schlechten. Ich bin wirklich sehr froh, dass ich die Möglichkeit habe, dieses Austauschjahr zu machen. (48/22.11.2008)
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