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Eileen Twenhoevel ist nicht ganz so weit gereist, hat aber trotzdem schon viele spannende Dinge erlebt: Sie ist für sechs Monate in einem Vorort von Paris zu Gast. Im Pariser Straßenverkehr spielen Fußgänger anscheinend keine große Rolle, dafür läuft im Fernsehen weniger Werbung. Und das Grundnahrungsmittel schlechthin ist natürlich - Baguette.
Hallo, ich heiße Eileen und nehme am Voltaire-Programm teil, d. h. die letzten sechs Monate war eine Austauschschülerin aus Frankreich bei mir und vor zwei Wochen bin ich für sechs Monate zu ihr gefahren. Ich wohne in einem kleinen Vorort von Paris, Quincy-Sous-Sénart, richtig süßer Ort, genau so, wie man sich Frankreich vorstellt! :) In dieser Zeit habe ich schon reichlich Unterschiede entdeckt. Man könnte zwar denken, Frankreich und Deutschland sind Nachbarländer und deshalb kann es ja gar nicht so anders sein; aber nein, das ist falsch! Dass hier nur Peugeot, Renault und Citroen herumfahren, ist noch gar nichts. Als mein Gastvater einmal ausparken wollte, hat er dabei die Autos vor und hinter sich einfach angestoßen, um aus der winzigen Parklücke zu kommen. Für alle Beteiligten war das ganz normal, nur ich war etwas geschockt und habe mich gefragt, was wohl mein Vater dazu sagen würde. (Inzwischen weiß, dass meine Familie nun doch mit der Bahn und nicht mit dem Auto zu Besuch kommen will:) Meine nächste, wichtige Erkenntnis habe ich auch im Straßenverkehr gewonnen - nur diesmal als Fußgänger, für die Paris besonders gefährlich ist. Denn für Autos scheinen Zebrastreifen hier unsichtbar zu sein, zumindest beachtet sie niemand. Das Gleiche gilt für Fußgänger und Ampeln; so bin auch ich mit meiner Gastfamilie, wie jeder andere auch, über sämtliche rote Ampeln gelaufen, solange kein Auto kam. Außerdem ist in Frankreich alles viel später. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen, im Moment könnte ich nach dem Abendessen schon fast schlafen. Wir essen frühestens um 20 Uhr und das dauert dann auch länger als bei mir zu Hause. Und natürlich gibt es zu jedem Essen Baguette (Grundnahrungsmittel Nr.1), was hier aber auch viel besser als in Deutschland schmeckt. Käse gibt es auch nach jedem Essen. Auch das Abendprogramm im Fernsehen fängt erst um gegen 21 Uhr an und es gibt so gut wie keine Werbung. Am Dienstag ist Rentrée und die Schule geht auch für mich los, aber erst nachmittags und es werden nur Klassen eingeteilt. Hier macht man das Abi noch ein Jahr früher und der Jahrgang, in dem ich sein werde, musste jetzt Profile wählen. Der Schulbeginn löst eine richtige Massenhysterie aus und die Supermärkte sind bevölkert mit Eltern und Kindern, die alles Nötige einkaufen. So was hab ich vorher echt noch nicht gesehen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Schule, werde aber wahrscheinlich nichts verstehen, es ist ja schon in der Gastfamilie schwer. Ich hoffe, mein Französisch verbessert sich schnell und ich meld mich dann mal wieder. Ganz viele, liebe Grüße Eileen (07.09.2008)
Der große Nachbar im Westen Unsere Autorin Eillen Twenhoevel verbringt ein halbes Jahr in der Nähe von Paris. Wie Deutschland ist auch Frankreich EU-Mitglied. Noch bis zum Ende des Jahres 2008 hat die französische Regierung deren Vorsitz inne. Frankreich ist zwar etwas größer als Deutschland, hat aber dennoch nur 65,5 Mio. Einwohner. Staatspräsident ist Nicholas Sarkozy von der konservativen UMP-Partei. Anders als die deutsche Kanzlerin hat der französische Präsident größere Kompetenzen, was die Gesetzgebung angeht. Als große gesellschaftliche Probleme gelten u.a. die hohe Jugendarbeitslosigkeit und der schleppende Bürokratieabbau.
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