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So vom ersten Eindruck und "Hören-Sagen" ist Weihnachten in Litauen das mit Abstand wichtigste Ereignis im Jahr und im Gegensatz zu Deutschland religiöser, ärmer und irgendwie traditioneller (weniger materiell)... aber das ist schwer zu sagen, wenn man es noch nicht erlebt hat :-)
Im Allgemeinen kann man sagen, dass hier in Litauen Weihnachten "ärmer" ist. Es gibt weniger Weihnachtsdekoration (kaum Lichterketten, keine Adventskränze...) und es werden auch weniger Geschenke geschenkt. Die Menschen haben einfach nicht so viel Geld, um allen Familienmitgliedern und Freunden Geschenke zu kaufen. Trotzdem ist Weihnachten hier superschön, denn anstatt sich mit Geschenken zuzumüllen, gibt es viele nette Worte und Gesten zu Weihnachten. Ich höre oft: "Komm doch mal bei uns zu Hause vorbei, ein bisschen Weihnachten feiern und nett beisammen sein". Weihnachten ist hier eine tolle Zeit, in der alle sehr freundlich und herzlich sind und (natürlich) alle sehr gastfreundlich.
Nachmittags an Heiligabend gehen wir mit der kompletten, riesigen Großfamilie in die katholische Kirche und danach mit allen nach Hause. Dann kommt der besinnliche Heiligabend, wobei das "besinnliche" bei einem litauischen Familienauflauf etwas untergeht. Es wird viel geredet und gelacht. Es werden 12 Gerichte ohne Fleisch gegessen (die ganze Adventszeit ist Fastenzeit und jeden Freitag ist es verboten, Fleisch zu essen). Man bekreuzigt sich vor jedem neuen Gericht, denn die religiöse Bedeutung von Weihnachten ist hier in Litauen größer als in Deutschland. Das finde ich auch gar nicht so schlecht, denn eigentlich ist Weihnachten ja ein religiöses Fest und kein Geschenke-kaufen-und-verschenken-Geld-ausgeben-Marathon...
Am nächsten Morgen war dann der Weihnachtsmann da und alle zusammen packen die Geschenke aus. Am 1. und 2. Weihnachtstag werden noch weitere Familienmitglieder und Freunde besucht. Dann ist der ganze Weihnachtsspaß auch schon vorbei und die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr wird zum Feiern und Spaß haben genutzt. (In den sechs Tagen von Weihnachten bis Neujahr bin ich auf vier Partys eingeladen. Das ist wohl der Traum von jedem US-Austauschschüler...) (23.12.2007) |