Startseite | Isabell Strauß | Ein anderes Land

Dabei bleiben

Newsletter abonnieren Newsletter

Mitglied der Jungen Presse Niedersachen
Ein Angebot des jugendeigenen Mediums NGO-Onlinemagazin.
Mitglied der Jungen Presse Niedersachsen
weitere Informationen

 

Unsere Themen

Ein anderes Land PDF Drucken
Weit weg - Isabell Strauß

litauen_pferde"Litauen ist anders", berichtet unsere Litauen-Korrespondentin Isabell Strauß. Damit meint sie nicht nur die ungewöhnlich schwierige Sprache, die immer wieder zu seltsamen Missverständnissen führt. Viele Menschen dort leben unter sehr schwierigen Bedingungen. In die Schule wird Isabell zufolge "nicht investiert" - Lehrer dichten durchlässiges Mauerwerk mit zerrissenen Schul-Heften ab, Tische und Stühle sind meist kaputt. Und dann sind da noch sie Spezialitäten litauischer Toiletten. Dennoch: "Es ist das tollste Jahr in meinem Leben."

Nach zwei Monaten in Litauen hab' ich die Familie gewechselt. Die Anfangszeit war total hart und schwer und schrecklich, aber jetzt geht's mir klasse. Ich wohne in der Hauptstadt Vilnius. Vilinius hat ungefähr 600.000 Einwohner, davon sind aber nur 54% litauisch. Ansonsten leben hier sehr viele Polen und Russen. Mittlerweile kann ich aber schon unterscheiden, ob jemand Russisch, Litauisch, Polnnisch oder Lettisch spricht - und mein Litauisch wird auch immer besser.

Die Sprache ist mein einziges Problem. Litauisch ist die älteste Sprachen in Europa und eine der schwersten der Welt. Aber es ist auch eine super Erfahrung, eine Sprache komplett von Anfang an lernen zu müssen (Mein Wortschatz, als ich ankam: "Ja", "Nein", "Bitte", "Danke" und "Wo ist die Toilette".) Man lernt viel über die Gestik und Mimik von Menschen und die Wörter "zwischen der Sprache". In Deutschland sagt man anstelle von "ja" "aha", "mhmh" oder "aehe", in Litauen heißt das anstelle von "taip" "nu" oder "nunu".

Unsere Schule ist sehr groß (11 Klassen im 11. Jahrgang), aber die "Schulausstattung" ist schrecklich. Die Klassenzimmer sind winzig, die Stühle und Tische meist kaputt und viel zu klein. Im Winter wird es hier über -30° kalt (ab -26° müssen wir nicht mehr zur Schule gehen) und meine Schule hat keine guten Heizungen. Als ich letzte Woche in unseren Matheraum kam, war meine Lehrerin dabei, Seiten aus Matheheften zu reißen und in die Ritzen zwischen den Fenstern zu stopfen. Dann hat sie Tesafilm darüber geklebt. Das machen im Moment alle Lehrer mit ihren Räumen, um sich vor dem Winter zu schützen. Ein anderes Bespiel: Wir schreiben im Moment ganz viele Aufgaben aus den nächsten Buch-Kapiteln ab (wenn wir denn Bücher haben), damit wir im im Winter nicht schreiben müssen. Denn dann ist es so kalt in den Räumen, dass wir mit unseren Mänteln und Schal und Mütze dort sitzen werden und dann nicht schreiben können werden. Denn wenn wir die Handschuhe ausziehen, werden unsere Hände so kalt, dass wir auch nicht schreiben können... Vieles ist hier sehr anders!!!

Die Toiletten an unserer Schule sind (bis auf vier) ohne Türen. Das war am Anfang ein ganz "schöner" Schock für mich... Hat aber auch Vorteile, das fördert die Kommunikation ("Hey, na, wie läufts? Alles klar? Ja, läuft gut" ;-)). An Toilettenpapier ist gar nicht zu denken... Die Toiletten verfolgen mich sowieso schon dieses ganze Jahr. Nicht nur, dass es bei meinem ersten Satz um sie ging - sie sind einfach symbolisch für Litauen. Denn manchmal (dort wo Touristen hinkommen) sind sie auf einmal SAUBER, MIT Türen (Wahnsinn!), MIT Papier, MIT Waschbecken, MIT Seife... Aber halt nur dort, wo Touristen sind - oder in Shopping-Centern, dort wo die Öffentlichkeit hinkommt/hinguckt. In die Schule wird nicht investiert. (30.11.2007)

 

Wir suchen euch

Wir suchen immer Autoren für das NGO-Onlinemagazin: Wenn du Spaß am Schreiben und Lesen hast, gerne mit anderen netten Leuten zusammenarbeitest oder ein bestimmtes Hobby hast, bist du bei uns richtig. Du kannst dich auch einfach erstmal in unseren E-Mail-Verteiler eintragen lassen oder uns ein Thema vorschlagen.
E-Mail: redaktion@neuesgymnasium.de

 

Suche

BiNGO

teaser_bingo