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Ein Jahr in Argentinien: Für unseren Auslandskorrespondenten Jonas Schulz kein Grund zum Weinen, „kitschige Abschiedsgespräche“ gehen gar nicht. In Südamerika angekommen, machte Jonas an seiner neuen Schule Bekanntschaft mit temperamentvollen Geschichtsstunden, traurigen Technologie-Lehrerinnen und sich küssenden Jungs. Und gegrillt wird wohl auch sehr ausgiebig.
Samstag, 23. August 2008 Meine Reise ging gestern sehr früh los. Ich bin um zwei aufgestanden, schon um drei gabs die ersten Störungen: ein stürmisches Klingeln an unserer Tür. Als ich dann zur Tür ging, hab ich da nur nen paar Teelichter gesehen und ein albernes Kichern hinter einem Auto gehört. Doch dann!!! Okay, ohne Spaß, ich hab mich saumäßig gefreut, weil die Coolsten der Coolsten und künstlerisch Begabtesten da waren und die ganze Straße für mich angemalt hatten. Dann haben wir uns gut unterhalten, also nicht so kitschige Abschiedsgespräche mit Weinen und so, sondern mehr so lustiger inhaltloser Smalltalk, es wurden Raketen und Wunderkerzen angezündet und ich habe ein Knicklicht, ein seeeeehr künstlerisch gestaltetes T-Shirt und haha. Jonas fliegt an diesem Morgen von Bremen aus nach Frankfurt am Main. Von dort aus geht es weiter nach Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens. Sonntag, 24. August 2008 Hola! Nachdem ich jetzt gut in der Familie angekommen bin, mit gutem Essen überschüttet wurde und meinen ersten Marte-Tee und meinen ersten Assados hatte, kommt jetzt das nächste aufregende Kapitel: Morgen geht die Schule los. Heute war ich an der Küste und hab mir den Rio de la Plata angeschaut. Dann musste ich noch meine Schuluniform kaufen, dabei wurde mir dann noch Martinez gezeigt - schönes Städtchen :-) Heute gab es dann Assados, das ist wie Grillen in Deutschland, nur größer. Die Argentinier mögen Fleisch, und zwar so sehr, dass sie bei so einem großen Grillen beinahe auf Beilagen verzichten. Dafür hat meine Gastmutter fast drei Stunden am Grill mit den kiloschweren Fleischstücken gekämpft. Assados: Wurst mit Brötchen als Vorspeise, Schweinefleisch als Zwischengang, Rindfleisch mit ein bisschen Salat als Hauptgang, Eiscreme als Nachspeise. Naja, ich bin fertig; ich fühle mich wie Mitternacht, und das um 19 Uhr. Ciao Jonas Montag, 25. August 2008 Ich erzähle das mit der Schule doch noch etwas genauer, hab ich mir gedacht. Da gibt es nämlich doch ein paar Unterschiede zu Deutschland. Es ging wie wohl jeden Tag mit der Begrüßungszeremonie los. Ihr müsst euch das so vorstellen: Ca. 300 fast gleich gekleidete Schüler stehen nach dem Alter sortiert in Reihen hintereinander. Einer hisst die Argentinien-Flagge, die Tür wird abgeschlossen... Ich dachte, ich wäre im Gefängnis. Aber dann! Der Unterricht geht los und sämtliche Disziplin der Schüler und die Autorität der Lehrkörper verschwindet. Ca. 20% arbeitende Schüler in meiner Biologiestunde behandeln die Replikation der DNA auf Englisch. Die Stunde begann mit zwanzig Minuten Verspätung, obwohl der Lehrer die ganze Zeit da war. Die Leute um mich herum sind sehr freundlich zu mir und reden viel. Weiter ging es mit Technologie, die Lehrerin war eine alte Frau, die ihr ganzes Leben lang wohl nie gelacht hat. So war auch der Unterricht. Dann Geschichte und Literatur auf Spanisch :-D lustig für mich! In Englisch durfte ich dann wieder mitmachen. Zwei Lehrer redeten die ganze Zeit Spanisch mir mir, obwohl sie wussten, dass ich es nicht verstehe. Sie fanden das lustig. Melden gibt es nicht. Als ich das versucht habe, wurde ich ausgelacht. Das führt natürlich dazu, dass alle gleichzeitig reden und das mit südamerikanischer Leidenschaft. Die Leidenschaft ist auch so eine Sache: Das geht so weit, das zwei Schüler aufstehen und sich anschreien, weil sie nicht dieselbe Meinung in Geschichte teilen. Außerdem habe ich mal wieder die Warmherzigkeit kennengelernt: Jeder begrüßt dich, egal ob sie dich kennen oder nicht, mit Küsschen-links-Küsschen-rechts oder einer Umarmung - auch die Jungs. Woran ich mich auch gewöhnen muss, ist ist der Abstand beim Reden. Er beträgt etwa 20cm und nicht wie in Deutschland zwei Meter. Einerseits, weil man sich sonst bei dem Lärmpegel nicht verstehen würde. Andererseits aber auch, weil man sich beim Reden mit allerlei Gesten verständlich macht, bei denen man das Gegenüber durchaus auch berühren muss. Naja, das solls gewesen sein. Ciaoi Jonas (07.09.2008)
Viele Unterschiede zwischen Arm und Reich Unser Autor Jonas Schulz verbringt ein Jahr in Martinez bei Buenos Aires, der Haupstadt Argentiniens. Argentinien ist mit 2,8 Mio. km² fast achtmal so groß wie Deutschland, hat aber mit 39,4 Mio. nur halb so viele Einwohner. Die Wirtschaft Argentinienswird von der Landwirtschaft bestimmt. Auffällig ist ein großer Unterscheid zwischen armen und reichen Bevölkerungsteilen. Argentinien ist eine präsidiale Bundesrepublik, Staatsoberhaupt ist Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner.
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