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Heimweh, laute Wecker und ein Englisch, das man einfach nicht verstehen kann: Am Anfang hatte unsere Auslands-Autorin Julie Buthmann Probleme damit, sich in der Ferne zurecht zu finden. Seit dem Sommer besucht sie die Lakefield College School, ein Internat in Kanada. Dann aber gab sie ihrem Auslandsjahr "noch eine Chance" - mit Erfolg: "Ich werde die Zeit hier niemals vergessen und ich kann wirklich nur jedem empfehlen, ein Auslandsjahr zu machen, denn die Dinge, die man in so einer Situation lernt, kann man mit nichts anderem vergleichen."
7 Uhr 30, der laute Wecker von meiner Zimmernachbarin reißt mich aus meinem viel zu kurzem Schlaf. Ich falle fast aus dem Bett, raffe mich langsam auf und torkele zum Badezimmer, um dort festzustellen, das gerade jemand duscht. Spätestens wenn sich noch drei andere Mädchen vor der Badezimmertür versammeln und sich ärgern, dass mal wieder jemand eine Ewigkeit das Badezimmer besetzt, fällt mir wieder ein, wie anders es hier ist.

Die Lakefield College School ist ein Internat für Mädchen und Jungen zwischen 12 und 18 Jahren in Kanada. Ich bin hier jetzt ein halbes Jahr und muss sagen, dass ich mich mittlerweile doch eigentlich richtig eingelebt habe. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ist wäre, nicht mit 15 anderen Mädchen, die alle wie Schwestern und beste Freundinnen für mich sind, zusammen zu leben.
Wenn ich an die erste Zeit hier im Internat denke, fallen mir aber dioch Veränderungen auf. Bevor ich nach Kanada gekommen bin, um hier die 11. Klasse im Internat zu verbringen, waren meine größten Sorgen, dass es Gemeinschaftsduschen gibt, das meine Zimmernachbarin schnarcht oder ich das Essen nicht mag. Schnell musste ich aber feststellen, dass diese Dinge zu meinen noch kleinsten Sorgen wurden. Meine Sorgen bestanden darin, dass ich mich überhaupt nicht zurecht finden konnte. Die Schule kam mir wie ein verwirrendes Labyrinth vor, in dem ich mich ständig verlief. Ich konnte das Englisch der meisten Leute in meinem Alter nicht verstehen, war total schüchtern und wollte unbedingt nach Hause. Ich war mir plötzlich ganz sicher, dass so ein Austauschjahr nicht das Richtige für mich sei und ich mich in einem Land so weit weg von zu Hause nie einleben würde.
Nach ungefähr zwei Wochen stellte ich aber fest, dass das Mädchen, in dessen Zimmer ich einzog, total lieb ist und wir sehr viel gemeinsam haben. Sie kommt aus Kanada, ist aber auch neu an der Schule und kam mit dem Leben im Internat auch nicht wirklich klar. Wir haben angefangen, mehr zusammen zu machen und ich beschloss, diesem Auslandsjahr noch eine zweite Chance zu geben. Jetzt bin ich froh, dass ich das gemacht habe.
Auch wenn ich ab und zu noch immer Schwierigkeiten habe und meine Familie und meine Freunde zu Hause sehr vermisse, bereue ich doch keinen Augenblick, dass ich mich für ein Auslandsjahr entschieden hab. Was ich in diesem halben Jahr schon alles erlebt habe, wie viele neue Leute ich kennen gelernt habe und wie sehr ich erwachsener geworden bin, ist einfach unglaublich! Ich werde die Zeit hier niemals vergessen und ich kann wirklich nur jedem empfehlen, ein Auslandsjahr zu machen, denn die Dinge, die man in so einer Situation lernt, kann man mit nichts anderem vergleichen. Es ist wirklich ein einmaliges und tolles Erlebnis! (24.02.2008) |