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Es gibt Dinge, über die kann der denkende Mensch nur den Kopf schütteln. So ging es mir, als ich kürzlich davon hörte, dass man einer TV-Serie den Namen „Zeit der Wunder“ gegeben hatte. Die Serie bezog sich auf die Pubertät. Ich schriebe hier liebend gern einen Verriss, habe allerdings nicht das Martyrium auf mich genommen, mir die Sendung anzuschauen und weiß folglich nicht, welche Wunder sie behandelt.
Eines aber will ich Ihnen sagen, verehrter Leser: Dieser ganze Zauber um pubertäre beziehungsweise postpubertäre Entwicklungen, diese schwachmatische Verklärung eines dankenswerterweise nicht einmal sonderlich langen Lebensabschnitts geht mir gelinde gesagt auf die Nerven! Das ist nichts anderes als die Kommerzialisierung des Erwachsenwerdens – denn selbst das rasante Wachstum der Schambehaarung lässt sich geschäftlich nutzen, wenn man so tut, als sei es etwas Wundersames. Keine tränenfeuchten Augen Und Pickel! Da geht dann die Spinnerei dann richtig los! Was die Leute sich um Pickel Gedanken machen! Ich für meinen Teil habe meinen ersten weder als Zeichen der Reife, noch als Vorbote einer düsteren Zeit betrachtet, sondern habe ihn ausgedrückt. Die erste Rasur, die ich kürzlich vollzog, war dann auch nicht gerade ein Zäsur, die die Verabschiedung von der Kindheit bedeutet, der man mit tränenfeuchtem Auge nachblickt, sie war keine vom Leben erzwungene Abkehr von einer heilen Welt, der sich die Finsternis des Erwachsenendaseins anschließt, sondern, wie meine Freunde behaupten, notwendig. Wobei man im Übrigen fragen kann, ob es wirklich so prickelnd ist, Kind zu sein. Ich jedenfalls war ganz dankbar, als meine Klassenkameraden irgendwann darauf zu verzichten begannen, sich im Schmutz zu wälzen oder sich gegenseitig mit Matschklößen zu beschmeißen. Nicht aufregend - beschissen Und wenn sie mir nun mit den psychologischen Vorgängen während der Phase des Erwachsenwerdens, ich sage mal so von dreizehn bis sechzehn, siebzehn, kommen, beeindrucken Sie mich auch nicht sehr. Meine erste Liebe fand ich nicht psychologisch aufregend, sondern beschissen. „Ja“, werden Sie jetzt so ganz verständnisvoll meinen, „Erwachsenwerden ist schon schwer!“ Blödsinn! Das ist nicht schwer, sondern normal! Ein halbwegs lebenstauglicher Mensch wird es jawohl verkraften, ein wenig zu schluchzen und sich zeitweilig an dem Gedanken zu weiden, die Angebetete finde ihn mit verstreuten Gliedmaßen am Boden liegend, da er sich ihretwegen einen Turm hinabgestürzt habe, dem zu Füßen sie jetzt knie und seine blutüberströmte Stirn küsse! Sie finden mich unsensibel? Mag schon sein – seien Sie aber versichert: Das ist reiner Selbstschutz. Erwachsenwerden ist nämlich schon manchmal schwer. (7/08.02.2009)
Karl Kelschebach, Jg. 11, ist NGO-Onlinemagazin-Autor.
Bild: Ariston/Montage: NGO-OM
LESERBRIEFE Wie ich leider bemerken musste, hat K. Kelschebach sich nicht, wie aus der vorletzten Kolumne zu entnehmen war, zurückgezogen. Seine letzte Kolumne mit dem Titel "Gedanken nach der ersten Rasur" war (wie alle seine Kolumnen) ein Tiefschlag für das OM. Ich hatte alle meine Hoffnungen darauf gesetzt, dass die Kolumnen witzig, prickelnd sein würden, mit einem Hauch Ironie und Sarkasmus und dem Zeitgeist entsprechend. Stattdessen habe ich immer das Gefühl, auf einem Kindergeburtstag gelandet zu sein. Schreiben ist auch nicht gerade Karls Stärke: "Und Pickel! Da geht dann die Spinnerei dann richtig los!" Es heißt zwar immer, doppelt gemoppelt hält besser, aber das kann auf aufrechtgehende Menschen, die Schreiben gelernt haben, wohl kaum zutreffen. Um das Niveau augenscheinlich zu heben, spickt Karl Kelschebach seine Kolumnen mit allerlei Fremdwörtern, die leider keine Sau versteht, ohne ein Fremdwörterlexikon neben dem Bildschirm deponiert zu haben. —CASSANDRA LENGENFELD
Karl, du bist genial! Ich liebe deine Kolumnen, vor allem die über'n Nudelsalat war brilliant. Aber Theo, bitte!!! Anderes Bild von Karl. —LUKAS BÖHLKEN (Jg. 8) |