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Kolumnen - Karl Kelschebach

Kürzlich debattierte ich mit zwei Freunden über anspruchsvolle journalistische Texte eines richtungsweisenden Publizisten der Bundesrepublik. Na gut, ich gebe zu, eigentlich war der Publizist gar nicht mal so richtungsweisend und die Texte waren auch alles andere als anspruchsvoll. Also ehrlich gesagt, wir sprachen über meine Kolumnen.

Unter anderem über diejenige, in der ich mich über die Missverständlichkeit der deutschen Sprache, genauer gesagt über Möpse, die ich einst streichelte, verbreitete. „Manche konservative Säcke haben bestimmt etwas dagegen“, merkte einer der beiden an. Ich war entzückt! Seit langem wünsche ich mir, mich endlich einmal mit einem konservativen Sack anzulegen, ihn so richtig zu provozieren, so sehr, dass der konservative Sack behauptet, ich führe den Untergang abendländischer Kultur herbei und so.

Was konservative Säcke denken
„Konservative Säcke werden in den Kolumnen doch mit Samthandschuhen angefasst“, widersprach der zweite meiner Gesprächspartner. Wie schade! Er hatte recht! Neulich schrieb ich einen Artikel, in dem ich die Höflichkeitsform preise. Natürlich hatte ich recht, aber konservative Gesinnungen dürfte ich auch genährt haben. Ich war frustriert: Was soll nur aus mir werden, wenn kein konservativer Sack der Meinung ist, ich zertrümmere das Fundament jeglicher Sittlichkeit und sei Anarchist und gehöre ins Gefängnis und was konservative Säcke eben sonst so meinen könnten?

Na ja, was nicht ist, kann noch werden. Also mache ich mich ans Werk und schreibe eine Kolumne, in der ich mich von allem Konventionellen abkehre, es radikal in Frage stelle. Aber wie nur?

„Missglückter Pinguin“
Ah, da fällt mir ein: Mein Tanzkurs! Ein Tanzkurs, der Gesellschaftstänze vermittelt, geführt von einer Dame, deren Schüler behaupten, bereits ihre Großeltern hätten ihren Unterricht erlitten, darf wohl als konventionell-konservative Institution durchgehen. Und da kann ich drauf einpreschen, dass es eine wahre Freude ist! Ich brauche hier lediglich an die bewusste Dame zu denken: Dass sie sich wünschte als Dressurpferd wiedergeboren zu werden, fand ich schwachsinnig, aber irgendwie sympathisch, ihre Bemerkungen bezüglich der Leistungen ihrer Schüler hielt ich dagegen für weniger charmant: „Schaut ihn euch an: Ganz elitär steht er dar – leider aber falsch!“, „Du stehst ja da wie ein missglückter Pinguin!“ und ähnliche Liebenswürdigkeiten fallen mir da ein...


Karl Kelschebach, Jg. 11, ist seit 2008 Chefkolumnist des NGO-Onlinemagazins.
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Übrigens waren die Schüler ähnlich unerträglich wie die Vertreter der Tanzschule. Es waren Klugscheißer oder Irre. Erkundigte man sich bei dem begabtesten Schüler des Kurses, wie denn der Tanzschritt nun gehe, so blökte er zu einem nieder: „Verstehe ich gar nicht, wie man das nicht verstehen kann, es ist doch so einfach!“ Ein anderer Schüler war als Tanzpartner wenig begehrt, weil er sich offenbar nie die Hände wusch, zugleich allerdings eine Metzgerlehre anging – ich führe das mal nicht weiter aus. Ein weiterer wiederum hatte mitbekommen, dass ich gern backe und ordnete an, einen Keks vom Ausmaß eines Blumentopfes zu fabrizieren. Ich klärte ihn darüber aus, dass mein einen Keks solcher Dimensionen in Fachkreisen als Kuchen zu bezeichnen pflegt, was sich allerdings seinen intellektuellen Möglichkeiten entzog.

Ein garstiges Subjekt
In einem späteren Kurs fand ich immerhin eine feste Tanzpartnerin, aber fragen Sie nicht was für eine! Ein so tückisches, hinterhältiges, charakterloses, boshaftes, abstoßenden, abscheuliches, niederträchtiges, garstiges Subjekt können Sie sich überhaupt nicht vorstellen.

Ich gestehe jedoch, dass meine Haltung gegenüber der widerwärtigen Kreatur nicht so sehr daher rührt, dass sie sonderlich konservativ war, sondern vielmehr auf dem Umstand beruht, dass mir nach unserer dritten gemeinsamen Tanzstunde einen Jungen vorzog, den seine Partnerin zuvor mit recht starken Argumenten verlassen hatte. Ich kann sie schon verstehen, aber so etwas tut man einfach nicht. Das geht eben nicht. Ein wenig Treue gehört dazu zu einem anständigen Charakter!

Oh Gott, was höre ich mich gerade konservativ an, es ist ja kaum auszuhalten. Ich wollte doch provozieren. Tja, liebe konservative Säcke, ich möchte Sie höflichst bitten, sich trotzdem über meine Unangepasstheit zu echauffieren. (26/20.06.2009)

Und was meint ihr dazu? Schreibt uns eure Meinung!

 

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