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Kolumnen - Karl Kelschebach
Kolumne
„Wusstet ihr, dass die meisten Menschen an Weihnachten Selbstmord begehen?“ Nein? Dann besuchen Sie einmal die Internetseite Neon.de , welcher das obige Zitat entnommen ist – dort klärt man Sie mit Vergnügen über die erhöhte Selbstmordrate an den Weihnachtsfeiertagen auf. Wo wir schon mal von Weihnachten sprechen – ich kann noch eine weitere Internetseite empfehlen: Gamona.de – hier haben Sie die Möglichkeit, einen Artikel namens „Papa, Mama, bekomme ich zu Weihnachten ein Killerspiel?“ zu kommentieren und sich mit anderen Internetnutzern über die bewussten Spiele auszulassen.

Wissen Sie, es ist doch eine Schande – oder finden Sie es richtig, dass man im Zusammenhang mit Weihnachten über Suizidmethoden und Killerspiele debattiert? Weihnachten, das sollte das Fest der Liebe und des Friedens auf Erden sein! Sie finden mich altmodisch? Ich will Ihnen einmal etwas sagen: Ich bin altmodisch!

Anstatt sich die Friedensbotschaft zu vergegenwärtigen, schreiben heranwachsende Menschen unserer Zeit kalt lächelnd „Spielzeugpistolen“ und „Horrorfilme“ auf ihre Wunschzettel. Und wenn sie dann das Jugendalter hinter sich lassen, erhängen sie sich am Heiligen Abend. Meistens bringen sie sich um, weil sie einsam sind, sodass dann auch noch ein nervenzehrender juristischer Aufwand ansteht, um zu ermitteln, wer ihr beschauliches Erbe übernimmt. Sie mögen mir widersprechen, aber in meinen Augen hat das mit Liebe und Weihnachtsfrieden wenig zu tun!

Es war eben doch alles besser früher! Schauen Sie sich nur die etwas älteren Weihnachtskinderbücher an, die dokumentieren ja wohl am zuverlässigsten, wie man die Festtage früher zubrachte: Die Leute wohnten in Försterhäusern, draußen war alles tief verschneit. Die Försterkinder schauten aus dem Fenster und sahen dem Treiben der Rehlein und der Finklein und all der anderen Tiere zu, die nicht zum Weihnachtsbraten verarbeitet wurden. Von der Küche her wehte der Duft von Zimt und Nelken, denn die Mutter backte komischerweise erst am Heiligen Abend. Im Lehnstuhl saß der Großvater und rauchte sein Pfeifchen und wenn es keinen Großvater gab, dann zumindest eine Großmutter, die den andächtig lauschenden Kleinen von früher erzählte. Der Vater hatte meist keine weitere Funktion als die Vögel zu füttern und den Jagdhund zu tätscheln, aber immerhin. Anschließend versammelte man sich in der guten Stube um den Christbaum und stimmte „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ an.

Und heute? Die meisten Leute kennen nicht einmal den Text dieses zauberhaften Volksliedes!

Er geht so: Morgen kommt der Weihnachtsmann, / kommt mit seinen Gaben / Trommel, Pfeifen und Gewehr / Fahn´ und Säbel und noch mehr / ja, ein ganzes Kriegesheer / möcht ich gerne haben!

Was hat uns noch gleich darauf gebracht? Ach ja, dass man Weihnachten früher viel mehr als heute als Fest der Liebe und des Friedens auf Erden verstanden hat. (52/21.12.2008)

Karl Kelschebach, Jg. 11, ist NGO-Onlinemagazin-Autor.

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