|
Dreimal im Jahr lädt das Literaturbüro Oldenburg zum Poetry Slam in der Exerzierhalle ein. Und Freitag war es mal wieder soweit. Sechs Teilnehmer, zwei Gäste, jede Menge Zuschauer und natürlich Prosa, Lyrik und Co. Ein denkwürdiger Abend in der Exerzierhalle am Pferdemarkt
Wir stehen an der Bar und teilen uns einen Orangensaft. „Wie fandst du deinen Auftritt?“, fragen wir Ruben, der seinen Beitrag direkt vor der Pause zum Besten gegeben hat. Er und zwei weitere Teilnehmer waren bereits dran, drei folgen noch. „Dafür, dass ich solange nicht mehr beim Slam war, gut. Aber mal gucken, wer noch so kommt.“ Bereits in Teil eins ergatterten sowohl Ruben als auch Benedikt 40 Punkte von der Jury. Marlene (sozusagen das Urgestein des Oldenburger Poetry Slams), wurde, trotz ihrer ausschweifenden Gedanken über das Tüddelband und dessen Auswirkung auf die deutsche Geschichte, nur mit 24 Punkten bewertet.
Programmhinweis Für alle Interessierten, die nicht dabei sein konnten/durften/mussten: Der Slam wird am kommenden Freitag, 30. Oktober 2009 um 20 Uhr im Lokalsender Oldenburg Eins übertragen und online als Livestream angeboten.
„Le Slam – C’est moi!“
Um 20.06 Uhr treffen endlich die letzen Mitglieder der anwesenden Schulklasse ein und „die lebendige Form des literarischen Exzesses“, wie Mitveranstalter Mario Filsinger den Wettbewerb beschreibt, kann beginnen. Er kann heute leider nicht anwesend sein und so liegt die Moderation allein bei Monika Eden, mit der er gemeinsam den Slam organisiert. Nach einem kurzen Abriss der Regeln (in der ersten Runde hat jeder Teilnehmer sieben Minuten, um Texte vorzutragen, diese werden von einer zufälligen Jury (zu der diesmal, dank Monika, auch ich gehöre) aus dem Publikum bewertet, die drei Teilnehmer mit der höchsten Punktzahl kommen ins Finale und haben nun noch einmal 3 Minuten, um die Zuschauer restlos von sich zu überzeugen) tritt Nadja Schlüter hinter das Mikrophon. Die Slammerin ist heute „nur“ zu Gast und somit außer Konkurrenz. Genau wie der Vorslames-Sieger Jan-Hendrik „le Slam – C’est moi!“ Heyne.
Gleich zu Beginn des offenen Wettbewerbs vertüddelt sich die Teilnehmerin Marlene in ihrem Gedicht und überzieht, der neuen Eieruhr zum Trotz, um sieben Minuten. Immerhin ist die Zeitbegrenzung jetzt aufgehoben, damit eine annähernde Chancengleichheit herrscht. Es folgen Bene mit einem philosophischen Text übers Sein und Nichtsein des Universums und einem nicht minder durchdachten Beitrag über Chuck Norris, als auch Ruben, der sich mit dem Slammerthema schlecht hin (ja, richtig, der Deutschen Bahn) auseinandergesetzt hat. Beide qualifizieren sich für das Finale.
Psychische Abgründe
Gleich nach der Pause heizen die beiden Gäste das Publikum nochmal so richtig ein. Jan-Hendrik entlarvt den Poetry Slam als „arrogante Selbstdarstellung und Selbstentstellung“, wird zum absolutistischen Slammer („le Slam – c’est moi!“), zeigt Mut zur Selbstbloßstellung und erntet massig Applaus. Nach Nadja, die uns so ganz von jemandem erzählt, den sie so halb hasst, eröffnet Christian mit einem Text der ganz anderen Sorte den zweiten Teil der Vorrunde. Wieder einmal zeigt der Organisator des Poetry Slams im Polyester (findet am 25.11. statt) sein unglaubliches Vermögen sich an die Abgründe der menschlichen Psyche heranzutasten. Trifft damit allerdings nicht den Nerv des Publikums und verpasst mit 35 Punkten den Einzug ins Finale. Dahingegen sichern sich der sozialkritische Sven (43 Punkte) und männliche Stephan (46 Punkte) ihren Platz – und da die Regeln bei Slams ja eher dehnbar sind, stehen nun die 4 Finalisten fest.
„Wenn du's nicht magst, hast du jetzt was, das du verschenken kannst“
Drei Minuten sind eine kurze Zeit, dennoch versucht jeder sein Bestes. Ob jetzt mit der Interpretation von Bibelstellen (Bene), der Auseinandersetzung mit der eigenen Jugend (Ruben), einer neugeschrieben Version des „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ (Sven) oder der abschreckenden Reise in die Großstadt (Stephan), alle Kandidaten legen sich ins Zeug. Genau wie das Publikum, das nun gemeinsam und klatschend Sven als Sieger kürt. Stephan erreicht den 2., Ruben und Bene teilen sich den 3. Platz. Die Buchpreise scheinen Monika Eden nicht so passend, da sie Bene den Rat gibt „Wenn du's nicht magst, hast du jetzt was, das du verschenken kannst.“ Dieser guckt etwas verdutzt und der Slam ist beendet. Und ja, diesmal konnte auch ich an der Bewertung der Slamschlacht teilnehmen, den Block in der Hand, die Beraterinnen zur Rechten. Auf ein nächstes Mal! (44A/25.10.2009)
Vanessa Engelmann ist NGO-Onlinemagazin-Autorin im 13. Jahrgang.
Zu diesem Thema im NGO-Onlinemagazin
|
- www.slampoetry-oldenburg.de – Internetauftritt der Organisatoren
Das NGO-Onlinemagazin ist für Inhalte externer Angebote nicht verantwortlich.
Dreimal im Jahr lädt das Literaturbüro Oldenburg zum Poetry Slam in der Exerzierhalle ein. Und Freitag war es mal wieder soweit. 6 Teilnehmer, 2 Gäste, jede Menge Zuschauer und natürlich Prosa, Lyrik & co. |