Wohl jeder hat ihn schon einmal gehört: Marc Bator, 36, ist Sprecher der Tagesschau. Schon in den 90-er-Jahren lieh er vielen Werbekampagnen seine Stimme. Heute moderiert er Sport- und Unterhaltungssendungen im NDR-Fernsehen. Am Rande einer Podiumsdiskussion in der Uni sprach Bator mit dem NGO-Onlinemagazin über die Arbeit von ARD aktuell, den Fernsehkonsum seiner Töchter und seine Bettlektüre.
NGO-Onlinemagazin: Wir stehen hier in der Uni Oldenburg, wir sind am Ende eines langen Aktionstags zum Thema Bibliotheken. Da drängt sich die Frage auf: Wird bei der Tagesschau gegoogelt?
Nachrichten-Sprecher mit langer Erfahrung
Marc Bator, 36, ist seit 2001 Sprecher der ARD-Tagesschau. In den 90-er Jahren wurde der gebürtige Hannoveraner als Sprecher vieler Werbekampagnen bekannt.
Heute ist Bator Vater zweier Töchter und moderiert diverse Unterhaltungssendungen im NDR-Fernsehen.
Marc Bator: Bei uns wird geoogelt, bei uns wird auch Wikipedia benutzt, aber diese beiden Angebote dienen nicht dazu, Meldungen oder Nachrichten in die Sendung zu transportieren. Wir verlassen uns auf unser Agenturangebot, wir verlassen uns auf die Korrespondenten von ARD-Aktuell. Selbst wenn in der Redaktion Uneinigkeit herrscht über bestimmte Fakten, werden diese Internetangebote herangezogen, aber sie werden äußerst kritisch bewertet.
NGO-OM: Sie haben zwei Töchter, ich weiß nicht, wie alt die sind...
Bator: ... vier Jahre und sechzehn Monate, also fast fünf Jahre und sechzehn Monate...
NGO-OM: ...aber eines Tages werden Sie die ja sicherlich auch mit Medien, Informationen und dem Internet konfrontieren müssen. Haben Sie schon eine Vorstellung, wie Sie das machen möchten, gerade, weil Sie selbst in diesem Bereich sehr präsent sind?
Bator: Na ja, es ist heute schon so: Unsere große Tochter wird jetzt fünf. Sie bekommt am Rande natürlich mit, was Medien sind. Wir sind für ein sehr, sehr kontrolliertes Nutzungsverhalten, sagen aber, dass Nutzungsverhalten soll altersgerecht so großflächig wie möglich sein. Ich sage einfach, Mediennutzung bildet, bringt den Menschen nach vorne, macht ihn erfolgreich, macht das Leben bunt und rund. Ich will es wirklich mal so salopp sagen. Aber die Nutzungsdauer muss begrenzt sein, da achten wir sehr starkt darauf, und dem Alter und dem jeweiligen Niveau angepasst werden.
NGO-OM: Ich nehme an, Sie selbst waren in Schule oder Studium auch mal mit der Situation konfrontiert, sich Informationen beschaffen zu müssen und hatten vielleicht noch nicht ganz die gleichen Möglichkeiten wie wir heute. Wie haben Sie das gemacht?
Bator: Wir haben... Um ganz ehrlich zu sein - ich bin ja meistens ehrlich - ich war zu faul, um große Bibliotheken zu besuchen.
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| Marc Bator in der Tagesschau |
| Bild: Dirk Uhlenbrock/NDR |
Wir haben eine sehr umfassende Schülerbibliothek gehabt am Matthias-Claudius-Gymnasium in Gerden bei Hannover. Da war ich also öfter, die war eigentlich auch ganz gut sortiert. Ansonsten war es sehr, sehr schwierig. Wir haben sehr häufig Zeitungsausschnitte und Zeitschriften gesammelt, zu Themen, bei denen wir wussten, das kommt nochmal auf uns zu. Die lagen dann da auf dem Dachboden oder im Keller und ihrer Informationen haben wir uns dann bedient. Wir hatten nicht die Möglichkeit, so stark zu recherchieren und Informationen auf ihre Aktualität zu bewerten. Mir fällt jetzt kein Beispiel ein, aber ich glaube, ein- oder zweimal habe ich auch irgendwo angerufen, um zu fragen: „Ist das wirklich noch so?”.
NGO-OM: In der Tagesschau haben Sie eine sehr große Verantwortung, Sie haben eine sehr große Reichweite und informieren wahnsinnig viele Menschen gleichzeitig. Ist es schwierig, sich im Alltag dieser Verantwortung bewusst zu sein?
Bator: Die Tagesschau hat von allen deutschen Nachrichtenangeboten die höchste Verantwortung, weil sie die höchste Glaubwürdigkeit hat. Das gilt für Redaktion genauso wir für die Präsentatoren der Tagesschau. Wenn ich heute neue Orstnamen oder Politikernamen in einer Sendung habe, dann muss ich diese vor der Sendung wirklich recherchieren, um sie vernüntig auszusprechen. Die Zuschauer in Deutschland erwarten das von ihrer Tagesschau. Die Tagesschau ist eben eine Referenz.
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| Redaktion von Tagesschau.de |
| Bild: Uwe Ernst/NDR |
Von daher gehen wir in die Sendung, gehen in den Arbeitsalltag und sagen einfach, das, was wir hier tun, das muss hieb- und stichfest sein. Das muss bei 100 Prozent liegen, nicht bei 99,9. Das gelingt natürlich auch nicht immer, aber deswegen bewerten wir gewisse Internetangebote auch sehr kritisch und haben ein Drei-Quellen-Prinzip. Mindestens drei Agenturen und am liebsten noch der Korrespondent vor Ort sagen: „Ja, so ist es, ihr könnt das senden”. Im Zweifel sind wir damit dann nicht die Ersten, aber was wir senden, hat Hand und Fuß.
NGO-OM: Eine letzte Frage habe ich noch, die sie heute selbst Ihrem Publikum gestellt haben: Was lesen Sie gerade?
Bator: Ich lese gerade einen Thriller, der Eistod heißt, von einem jungen Schweizer Autor, Michael Theurillat. Da geht es um einen Zürcher Komissar, der biochemische Morde an Zürcher Obdachlosen aufklären soll. Ansonsten lese ich das Erfolgsbuch von Oliver Kahn, Erfolg kommt von innen.
NGO-OM: Den haben Sie ja. Vielen Dank für das Gespräch! (24/06.06.2009)
Das Gespräch führte Theo Müller.
Zu diesem Thema im NGO-Onlinemagazin
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