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Die Arbeitsgemeinschaft „Na, Erde?“ des Neuen Gymnasiums stellt nicht erst seit dem aktuellen Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt Erde“ in ganz unterschiedlichen Bereichen naturwissenschaftliche Fragen an unseren Heimatplaneten. Die in Projekten bearbeiteten Themen reichen von Energie, Geoinformatik, Klimaschutz, Kristallographie bis hin zur Luft- und Raumfahrt. Einmal im Halbjahr ist ein zu den jeweils aktuellen Arbeiten passendes „besonderes“ gemeinsames Essen angesagt. Im vorausgehenden Halbjahr war es das selbst zusammen gestellte „Weltraumessen“, u.a. mit Capri-Sonne, Sternchensuppe, Mars- und Milky Way („Milchstraßen“)-Riegeln. Diesmal entschloss sich die Gruppe von 12 Schülerinnen und Schülern mit Herrn Sturm in der frühen Nachmittagszeit zu einem „Klimafrühstück“.
Lernkoffer vom Regionalen Umweltzentrum
Dafür stellt das Regionale Umweltzentrum (RUZ) Oldenburg einen Koffer bereit, mit dem Schülergruppen der Frage nachgehen können, welchen Einfluss unsere Essgewohnheiten auf den Treibhauseffekt haben. Er enthält Anschauungsmaterial, wie z.B. eine aufblasbare Erde, Spielzeugautos, Produktkärtchen, anschauliche Fotos, „Emissionselefanten“, laminierte CO2-Wolken, einen Saisonkalender, aber auch eine Auswertevorlage. Zielgruppe des ursprünglich vom RUZ Schortens entwickelten Lehrmaterials sind Klassen der Jahrgangsstufen 3 bis 5. Die AG wollte nun herausfinden, ob sich der Koffer auch für ältere Schülerinnen und Schüler eignet.
Vorbereitung mit Elefantenzeichnungen
Neben dem bereits in dem Koffer erhaltenen Material mussten vorab von den Teilnehmern nach Angaben in der Anleitung „klimafreundliche“ und „klimaschädliche“ Lebensmittel gekauft, Besteck und Geschirr mitgebracht sowie Kopien der Auswertevorlage angefertigt werden. Die Lebensmittel wurden dann gemeinsam auf Tischen ansprechend aufgebaut und mit Produktkärtchen versehen. Wichtig war es dabei insbesondere, den Produktionsort der Nahrungsmittel aus den Verpackungsangaben zu ermitteln. Schnell war auch ein gemeinsamer Esstisch am Ende des Physikgangs errichtet. An ihm wurde zunächst anhand von Fotos ganz allgemein über den Treibhauseffekt diskutiert. Die Mitglieder der AG erfuhren, dass erstaunliche 20% Ausstoßes von Kohlenstoffdioxid direkt oder indirekt auf unsere Essgewohnheiten zurückzuführen sind. In einer Klappkette mit 10 Elefanten entsprach dies 2 Elefanten. Ebenso viele Elefanten wurden für Emissionen durch allgemeine Transporte von Personen und Material aufgeklappt sowie für die Elektrizität und Heizung von Gebäuden. Die Bereitstellung von Energie in Kraftwerken erzeugt aktuell 40% der Emissionen. Nach dieser einprägsamen Einführung erfolgte anschließend der Startschuss zum Klimafrühstück.
Klimafrühstück und Auswahlaspekte
Bei der Auswahl der Getränke und des Essens hatte jeder die Aufgabe, sich die Hinweise auf den Produktkärtchen zu merken. Beim Essen rückte die Klimadiskussion zunächst in den Hintergrund, da alle nach vorherigem Verzicht auf das Mittagsessen sehr hungrig waren. Nachdem der Haupthunger gestillt war, wurden in Gesprächen vier Aspekte für die Bewertung von Nahrungsmitteln in Bezug auf den Klimaschutz erarbeitet: Transport, Verpackung, Bio/Nicht-Bioprodukt und Jahreszeit des Anbaus. Als klimafreundlich erwiesen sich besonders regionale Produkte, da sie durch kürzere Transportwege indirekt weniger Abgase erzeugen. Einmalverpackungen müssen zusätzlich zu jedem Lebensmittel produziert werden und sorgen so in Industriebetrieben für erhöhte Emissionen. Man sollte also möglichst Mehrwegverpackungen nutzen. Biolandbau ist klimafreundlicher zu bewerten, da er im Gegensatz zu konventionellem Anbau überwiegend auf industriell hergestellte Dünger und vor allem Pestizide verzichtet. Verwendet man einen Saisonkalender, kann man Obst und Gemüse meiden, das in beheizten Treibhäusern außerhalb der eigentlichen Wachstumsphase produziert wurde. Nicht immer sind alle vier Kriterien bei einem Produkt erfüllt, sodass man Kompromisse schließen muss. Zum Schluss erhielten alle eine Kopie des Auswertebogens. Mit Lächel- und Traurigsymbolen konnte jeder die Klimafreundlichkeit seines Frühstücks beurteilen. Dabei übertrug sich ein Lächeln oder auch Nachdenklichkeit auf das eine oder andere Gesicht.
„Na, Erde?“-Themen im nächsten Halbjahr
Die AG arbeitet zurzeit noch an einer Experimentierroute zum Klimaschutz, die auch für Schulwettbewerbe eingereicht werden soll. Anschließend wollen wir uns mit chemischen und physikalischen Eigenschaften von Bernstein beschäftigen. Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 7 bis 10 sind uns montags in der 8./9. Stunde zur Unterstützung herzlich willkommen. Welches „besondere“ Essen uns im nächsten Halbjahr bevorsteht, wird jetzt allerdings noch nicht verraten.
Tipps für Lehrerinnen und Lehrer
Das Klimafrühstück wurde ursprünglich für die Jahrgänge 3 bis 5 konzipiert. Diese Klassenstufen sind aufgrund der Materialgestaltung als Hauptzielgruppe zu betrachten. Dennoch ist der Koffer sicherlich auch für höhere Klassenstufen einsetzbar, wenn die Diskussionen auf differenzierterer Ebene geführt werden. Der Treibhauseffekt könnte hierbei von der Ozonlochproblematik deutlich abgegrenzt werden. Auch könnten Lebensmittelprodukte besonders diskutiert werden, bei denen sich Einzelaspekte der Klimafreundlichkeit in Ihrer Bewertung widersprechen. Ist es z.B. sinnvoll, ein Bioprodukt aus Süddeutschland zu essen? Sind über längere Zeit in Stickstoffatmosphäre gekühlte Äpfel aus der Region klimafreundlicher als solche aus den Alpen? In welchem Verhältnis steht der Materialnachteil einer Verbundstoffverpackung zu einem eventuellen Nachteil beim Transportweg von Mehrweg-Glasflaschen?
Empfohlen werden kann der beim RUZ Oldenburg kostenlos ausleihbare Koffer also in entsprechendem Kontext nicht nur für die eigentliche Zielgruppe, sondern auch für den Biologie-, Chemie-, Erdkunde- und Politikunterricht in höheren Klassen. Voraussetzung ist, dass dazu ein für das Essen geeigneter Raum zur Verfügung steht. Auch Arbeitsgemeinschaften im Bereich Umwelt- und Klimaschutz bieten sich für diese an, ebenso wie Klassendoppelstunden. Die Lebensmittelkosten pro Teilnehmer betragen etwa 2,50 Euro. Die Besorgung der Nahrungsmittel durch die Schülerinnen und Schüler selbst hätte einen besonderen Reiz, jedoch ist es logistisch sicherlich deutlich einfacher, als Lehrer nach den Angaben in der Lehrerhandreichung einen Gesamteinkauf zu tätigen. Besteck und Geschirr sollten in jedem Falle von den Schülerinnen und Schülern unter Verzicht auf Einmalplastik mitgebracht werden.
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