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Mit sehr persönlichen Worten begrüßte der Schulleiter am Donnerstag, den 8.12., den DDR-Zeitzeugen Karsten Dümmel in unserer Aula. In dessen Geburtsjahr 1960, so Herr Herold, hätten sich seine Eltern und er aus der DDR „weggemacht“, um im Westen zu leben.
Karsten Dümmel lebte 28 Jahre in der DDR. Er besuchte in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung nun das NGO, um vor dem gesamten zehnten Jahrgang sowie einigen Oberstufenschülern einen Vortrag über die Lebensumstände in der ehemaligen DDR zu halten. Mit 16 Jahren kam er das erste Mal in Untersuchungshaft. Durch seine Mitgliedschaft in verschiedenen Arbeitskreisen der evangelischen Kirche und durch Aktionen, an denen er mitwirkte, wurde die Staatssicherheit (Stasi) auf ihn aufmerksam. Um dem Publikum zu veranschaulichen, was dies für ihn bedeutete, stellte Karsten Dümmel ausführlich die Arbeitsmethoden der Stasi zur Überwachung von Personen vor.
Die Säulen des Systems: Karteien und Akten
Er vergleicht seinen Vortrag mit einer zerbrochenen Vase, von der er nur drei Scherben zeigen kann, um zu verdeutlichen, dass dies längst nicht alles ist, was er in der DDR erlebt hat. Das Publikum war sehr beeindruckt, als er von den 6,5 Millionen Karteien der Stasi sprach, die 1989 existierten. Hier wurden Daten über Personen, die von der Stasi angeworben werden sollten oder die verdächtig geworden waren - und sei es nur dadurch, dass sie nicht zur Wahl gingen oder Ausreiseanträge stellten, festgehalten.
Keine Ahnung von der Bespitzelung durch die Stasi
Keiner, über den hier eine Akte geführt wurde, war darüber informiert. Doch es wurden nicht nur allgemeine Daten wie Geschlecht, Größe und Alter gespeichert, sondern auch psychologische Gutachten, Vorlieben und Eigenschaften. Das Ausmaß dieser Beobachtung durch die Stasi wurde einem klar, als der Referent die Kartei einer Frau zeigte, zu der gezielt ein Mann gesucht wurde, der mit ihr zusammenkommen und sie so unter Beobachtung halten sollte. So haben Leute ihre Nachbarn, Männer ihre Frauen und umgekehrt bespitzelt.
Gezielte Zersetzungsmaßnahmen
Karsten Dümmel hat uns Zuhörern als Zeitzeuge dieses beklemmende Gefühl der Verfolgung von allen Seiten sehr nahe gebracht. Die Ohnmacht des Einzelnen gegen die Zersetzungsmaßnahmen der Stasi ist für uns unvorstellbar. Trotz guter Leistungen wird Dümmel nicht zum Studium zugelassen, muss aufgrund einer verfügten Arbeitsplatzbindung als Gebäudereiniger und Hilfsarbeiter in der Nachtreinigung von Zügen tätig sein, bekommt Stadtarrest, Reisesperre, seine Post und die seiner Freunde wird systematisch kontrolliert. Er selbst wird, nachdem er eine Flugblattaktion gegen den kommunistischen Staat gestartet hatte, „wegen staatsfeindlicher Handlungen“ eingesperrt.
Freikauf durch die BRD nach 56 Ausreiseanträgen
Doch im Jahre 1988 war er einer derer, die von der BRD freigekauft wurden, nachdem er bis dahin bereits 56 Ausreiseanträge in Folge gestellt hatte. Was ließ er zurück? Freunde hatte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viele, denn die Stasi hatte viele überzeugt, den Kontakt zu ihm abzubrechen, und ihn so versucht zu isolieren. In der Hoffnung darauf, dass seine Familie hinterherkommen würde, zog er das Übersiedeln in den Westen einer langen Gefängnisstrafe vor.
Akteneinsicht nach dem Fall der Mauer schockiert
Als er nach dem Fall der Mauer im Januar 1992 erstmalig die Akten der Stasi über sich einsehen konnte, war er sehr geschockt, wie detailliert man über ihn Bescheid wusste. Selbst seine vierjährige Tochter besaß dort auf Grund des Kontaktes zu ihrem Vater eine Akte. Der Referent weist aber auch darauf hin, dass es in der Welt einzigartig ist, dass die Akten eines Geheimdienstes der allgemeinen Bevölkerung zur Einsicht vorliegen und so die Arbeitsweise überhaupt offengelegt werden kann.
Spannender Einblick für die, die die DDR nicht mehr kennen gelernt haben
Der Vortrag und auch das anschließende Gespräch, für das leider die Zeit etwas knapp war, haben alle sehr beeindruckt. Obwohl viele keinen so großen Bezug mehr zu der DDR haben, war es doch ein sehr spannender Einblick in eine Zeit, die wir nicht mehr kennen gelernt haben. Ich denke, jeder hat etwas aus dem Vortrag mitgenommen und wird das nächste Mal, wenn er etwas von DDR oder Stasi hört, daran zurückdenken. (19/18.12.2011)
Lea Spille ist Schülerin der Kl. 10c. |