|
 Einfach mal ein Jahr ins Ausland gehen – was sich einfach anhört, ist in der Praxis ganz schön kompliziert. Austauschorganisationen helfen bei der Organisation eines Aufenthalts im Ausland, etwa in der 10. Klasse. In unserer Serie stellen wir euch ab sofort Ansprechpartner und Ehemalige verschiedener Organisationen vor. In der ersten Folge berichtet Steffen Jaspert, Jg. 13, von seinen Erfahrungen mit der Organisation „AFS Interkulturelle Begegnungen”.
Hamburger-Brötchen mit Fleischmatsch, dazu ein Softdrink – meine Mahlzeit mit dem Football-Team vor den uns in die Play-offs bringenden Spiele. Solche und ähnliche Erfahrungen haben mein Bild der amerikanischen Kultur sehr geprägt. Sehr schockierend fand ich auch die Frage „Liegt Europa in Deutschland?“, die mir von einer Mitschülerin des 10. Jahrgangs der High School gestellt wurde. Solche kulturellen Eindrücke habe ich durch mein Auslandsjahr, das ich mit AFS bestritten habe, gewonnen.
Selbstdarstellung von AFS Die deutsche Jugendaustauschorganisation arbeitet gemeinnützig und ist Träger der freien Jugendhilfe. Die Zentrale sowie ein Regionalbüro  haben ihren Sitz in Hamburg; in Berlin, Wiesbaden und Stuttgart gibt es weitere Regionalbüros. Neben dem Schüleraustausch ermöglicht AFS die Teilnahme an Freiwilligendiensten im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich. Der Verein finanziert sich aus den Teilnahme- und Vereinsbeiträgen, durch Spenden, Stiftungsmittel und öffentliche Gelder. 2008 feierte AFS in Deutschland unter der Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin Dr. Ursula von der Leyen 60-jähriges Jubiläum. Quelle: www.afs.de
Unterschiedliche Programme
AFS Interkulturelle Begegnungen (AFS) ist eine Organisation, die Auslandsaufenthalte in etwa 50 verschiedenen Ländern vermittelt. Es gibt die Möglichkeit, einen ganz- oder halbjährigen Schulaufenthalt zu absolvieren. Nach der Schule kann man dort auch ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Ausland machen.
Ich selbst habe mich im Herbst 2006 beworben, um 2007/2008 ein Jahr in den USA zu verbringen. Meine Wahl fiel auf AFS, da meine Mutter vor langer Zeit ebenfalls mit AFS ein Jahr in Kalifornien verbrachte. Ich schrieb eine Bewerbung und wurde zu einem Auswahlwochenende in Oldenburg mit etwa 20 Teilnehmern eingeladen. Nachdem ich von der Organisation angenommen wurde, folgten zwei Vorbereitungswochenenden in denen beispielsweise mögliche Kulturschocks, wie zum Beispiel fremdes Essen und ungewohnte Umgangsarten, thematisiert werden. Es gab abschließend noch ein drittes Vorbereitungswochenende, welches aber länderspezifisch war. Hier sprachen wir über mögliche Probleme, die typischerweise in den USA auftreten. „Die Vorbereitungscamps von AFS machen immer total viel Spaß, den Betreuern und den Teilnehmern“, meint auch Till Kujadt. Er ist wie ich inzwischen ehrenamtlicher Mitarbeiter bei AFS und 2007/08 Austauschschüler in der Türkei gewesen.
Als erstes in das Football-Team
Als ich selbst damals endlich in Devils Lake, North Dakota, war, habe ich mich als allererstes für das Footballteam einschreiben lassen. Das Team von circa 50 Spielern war auch froh mich dabei zu haben - nicht etwa weil ich circa 80 kg weniger wog als die Anderen, schwach und langsam war, sondern weil ich durch mein Fußballspielen in Deutschland gelernt hatte, einen Ball zu schießen. Keiner meiner Mitspieler im Team konnte das, weil Fußball dort total unpopulär ist. Mit dem Team haben wir viel Erfolg gehabt, wir sind sogar bis ins Championship-Finale des Staates North Dakota gekommen.
Eine der Besonderheiten von AFS ist, dass jedem Austauschschüler ein persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung steht. In Notfällen gibt es auch AFS-Mitarbeiter in allen Büros der Partnerländer, die rund um die Uhr erreichbar sind. AFS verfügt über ein weltweites Netz ehren- und hauptamtlicher Mitarbeiter. Mit ihrer Hilfe wird jeder Austauschschüler umfassend vorbereitet und vorort betreut.
Auch Probleme sind lösbar
Das erwies sich in meinem Fall als sehr hilfreich: Im Januar habe ich meine Gastfamilie gewechselt, weil ich mich meiner ersten Gastfamilie nur noch gestritten habe. Ich bin dann zu meinen Betreuern gezogen mir wurde ein neuer Betreuer, der auch in Devils Lake wohnte, zugewiesen. Es ging bergauf, auch mit meinem Englisch. Da ich im Winter Ringen ausprobiert habe, war ich nicht mehr der Deutsche mit dem Akzent, sondern nur noch der, der beim Ringen keinen Kampf gegen einen Jungen hat gewinnen können.
Im Frühling hat dann die Leichtathletik-Saison begonnen. Auch hier habe ich dran teilgenommen. Ich habe gemerkt, dass es generell sehr hilfreich ist, bei Sportaktivitäten mitzumachen, denn dort lernt man die Menschen kennen. Durch den Sport habe ich während des Auslandsjahres Freunde kennen gelernt.
Ein Jahr der Erfahrungen
Heute arbeite ich selbst ehrenamtlich für das AFS-Komitee Oldenburg und habe immer noch Kontakt zu meiner zweiten Gastfamilie und zu Freunden. Ein Auslandsjahr ist wie ein Buch, das vom Austauschschüler geschrieben wird. Es besteht aus zwei Kapiteln, von denen das erste ist sehr schnell vorbeigeht - es beinhaltet das Jahr selbst. Das zweite Kapitel enthält viele Erfahrungen, Erkenntnisse und Freunde für den Rest des Lebens. (42/10.10.2009)
Steffen Jaspert, Jg. 13, ist NGO-Schüler und ehrenamtlicher Mitarbeiter der Organisation AFS.
Die Serie zu Austauschorganisationen wird fortgesetzt.
- www.afs.de – Internetseite von AFS Interkulturelle Begegnungen.
|