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Unser erster Bericht aus dem Ausland - Regina berichtet von frittierter Schweinehaut, unterhaltsamem Mathe- und seltsamem Sportunterricht. Und von einem langen Flug, einer sehr netten Gastfamilie und nachdenklichen Momenten in den Straßen von Tulancingo, Mexiko.
So, nun bin ich erst 3 Wochen hier, und trotzdem konnte ich Seiten füllen mit dem, was ich alles erlebt und gesehen habe! Am 29.08.2007 begann mein großes Abenteuer, und noch heute weiß ich, wie aufgeregt ich war, als ich im Flieger Richtung Mexiko saß.
Nach einigen Problemen mit dem Zollbeamten (Ich hatte ein Flensburger Weizen für meinen Gastbruder Memo in Tuluca mitgenommen - doch als ich ihm erklärt habe, dass es ein Geschenk sei, hat er nur gelacht :D...) wurde ich sehr herzlich von meiner Gastfamilie in Empfang genommen! Und auf dem Weg nach Tulancingo, das meine neue Heimat für ein Jahr werden sollte, wurde ich schon richtig durchlöchert. Auf Spanisch, da meine Gasteltern kaum Englisch sprechen... Als ich endlich ins Bett konnte, war ich schon fast 30 Stunden auf den Beinen, entsprechend müde fiel ich also nur noch ins Bett... Meine erste Woche war der Horror. Ich kannte keinen und war total allein. Ich hab mit dem Gedanken gespielt wieder nach Hause zu fahren... Doch zum Glück hat sich meine Gastfamilie viel um mich gekümmert und mit mir viel unternommen. Doch immer als ich alleine war, dachte ich wieder an Deutschland und fing an zu weinen... Inzwischen hat sich vieles geändert. Ich habe eingesehen, dass ich nicht zwei Leben leben kann. Und nun habe ich sowieso kaum mehr Zeit, groß an Deutschland zu denken, es passiert hier einfach zu viel. Und so viel Neues zu lernen und zu sehen... Ich habe es innerhalb von noch nicht mal drei Wochen geschafft, mir in der Schule einen festen Freundeskreis aufzubauen. Mit den elf Austauschschülern, die auch in Tulancingo leben, gehen wir regelmäßig weg, und es ist einfach nur hammer geil! (Sorry Leute, aber die Deutschen "Paries" sind nichts gegen die Mexikanischen "Fiestas" ;D) Es ist schon genial zu wissen, Freundschaften über den gesamten Erdball zuhaben :) Gestern war die "Noche a la mexicana" (drittes Bild, unten). Es war gigantisch! Heute ist der Unabhängigkeitstag der Mexikaner und der wird groooss gefeiert. Die Schule ist so lala... in manchen Fächern verstehe ich immer noch kein Wort. Mein Spanisch ist zwar an sich schon echt gut, aber was ich in Deutsch nicht verstehe, verstehe ich erst recht nicht in Spanisch. Naturwissenschaften sind hier unter aller Sau! Der Biologie-Unterricht besteht darin, dass uns der Lehrer 50 Minuten lang einen Sachtext diktiert. Ätzend - und der Physikunterricht ist das Beste *lach* - gestern haben sie Stromkreise durchgenommen, Parallel- und Reihenschaltung... Hoch interessant! ;) Versuche kennen die übrigens überhaupt nicht! Nur der Matheunterricht ist super!! Dauernd werden die Plätze getauscht. Die Besten sitzen hinten, die Schlechtesten vorne und alle versuchen sich innerhalb der Stunde „nach hinten zu arbeiten". Es ist sooo lustig ;)
Naja, trotzdem, auch wenn ich auf der besten schule der Stadt bin, ist es immer noch Mexiko ;) Mittlerweile weiß ich, was ich an der deutschen Schule habe! Am besten gefällt mir der Englischunterricht (dort versteh ich alles ;), er ist etwa derselbe wie in Deutschland und ich bekomme in den „examen“ immer 9-10 Punkte (90-100%). Das Notensystem geht hier von 0 - 10 Punkten. Wenn man unter 7,5 hat, ist man durchgefallen. Mit dem Französischunterricht muss ich allerdings ein wenig kämpfen, es ist verdammt schwierig, einen französischen Text auf Spanisch zu übersetzen, wenn du in Deutsch oder Englisch denkst. Das ist wirklich verwirrend! xD
Mit dem Essen hab ich überhaupt kein Problem, ich liebe dieses essen hier und meine Mutter ist ne Superköchin :) Und ich habe mich nun endgültig dazu eingelassen, Fleisch zu essen und alles zu probieren! Truthahn schmeckt eigentlich echt lecker. Nur an „chicharon“ kann ich mich nicht gewöhnen. Sie sehen aus wie Chips, schmecken wie Chips, sind es aber nicht - es ist frittierte Schweinehaut. Die bekomm mit dem besten Willen nicht runter.
Hier ist wirklich vieles anders. Und vieles, was ich für selbstverständlich gehalten habe, ist hier nicht so einfach. Trinkwasser ist zum Beispiel sehr kostbar! Aus der Leitung darf man hier in keinem Fall trinken! Auch Essenwegwerfen ist ein Tabu. Ich lebe sowieso viel bewusster und achte genau darauf, was ich sage und tue. Gerade als Mädchen musst du hier sehr vorsichtig sein. Als Mädchen solltest du nicht nach zehn alleine auf der Straße sein und auch mit freizügiger Kleidung muss man aufpassen. Mädchen, die etwas besser bestückt sind, haben es besonders schwer... Da hält schon mal ein Taxi neben dir an... hab selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht. Doch man lernt sich zu verteidigen und Problemen aus dem Weg zu gehen.
Mir wird immer wieder bewusst, wie verdammt gut wir es in Deutschland haben und das wir für vieles dankbar sein müssen. Ich glaube, schon jetzt hat mich die Zeit hier sehr geprägt... Am schlimmsten war es für mich, zu realisieren, dass ich den vielen hungernden und armen Menschen hier nicht helfen kann. Und ich könnte anfangen zu heulen, wenn ich daran denke, wie verschwenderisch wir in Deutschland teilweise leben!
Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass ich irgendwie negativ auf die Geschichte Deutschlands angesprochen würde, doch im Gegenteil. Die nehmen das hier alle ziemlich locker, teilweise sogar sehr positiv auf. Im Sportunterricht müssen wir gerade so ne Parade einüben und lernen, wie im Militär zu laufen. Da kam es schon vor, dass mich jemand aus Spaß mit "Heil Hitler" ansprach. Doch auch damit lernt man schnell umzugehen. Schon jetzt ist für mich klar: Das Austauschjahr war die beste Entscheidung meines Lebens! (16.09.2007) |