Ich hoffe euch geht es allen gut, in Deutschland oder wo immer ihr auf der Erde verstreut sind. Ich lese immer gerne die Berichte auf der Homepage, um mitzubekommen, was gerade bei euch los ist und wie es den anderen Austauschschülern geht. So fühle ich mich immer wieder ein wenig zurückversetzt ans NGO :) Ich habe habe mich nun schon lang nicht mehr bei euch gemeldet, dabei ist doch so viel passiert... Ich habe den Día de Muertos miterlebt und Schoko-Totenköpfe gegessen, war auf einem mexikanischem Friedhof und hab mit Marriachis gesungen, war bei den Pyramiden und habe auf der "Sonne" und dem "Mond" gestanden. Ich habe nun endlich Ferien nach den Endexamen in der Schule, habe deutsches Essen gekocht, bin für eine Woche in die USA gefahren ;P, habe das erste Mal die Gastfamilie gewechselt und war letzte Woche in Zacatecas mit knapp 1000 Austauschschülern aus aller Welt!!! Mir geht es im Moment einfach nur verdammt gut, ich liebe dieses Leben hier und kann es kaum fassen das 1/4 davon nun schon vorbei sein soll ... :( :) KULTURGESCHICHTE Die letzten Wochen waren einfach der Hammer, der Día de Muertos war hochinteressant. Halloween wird hier nach einer alten aztekischen Tradition gefeiert. Überall in den Schaufenstern waren Skelette und in jedem Supermarkt konnte man Schoko- oder Marzipantotenköpfe kaufen. Wofür? Für die Ofrendas, das sind Altäre, die die Familien in den Häusern aufstellen, um so ihren Toten zu gedenken. Auf den Altären werden Getränke, Essen und Dinge hingestellt, die der Verstorbene gerne mochte. Am 1. November um 14.00 Uhr sollen dann die Toten, so der Glaube, in die Häuser zurückkehren und davon essem. Auf diesen Ofrendas werden von jedem Lebenden ein Schokototenkopf gestellt, verziert mit dessen Namen. Das soll die ständige Anwesenheit des Todes symbolisieren. Es soll zeigen, dass wir alle sterblich sind, aber auch, dass der Tod nichts Schlimmes ist (er ist eher schoko-süß) und wir uns nicht vor ihm fürchten sollten, da es danach weiter geht. Ganz schön interessant, doch auch etwas krass. Die Mexikaner haben wirklich überhaupt keine Angst vor dem Tod, im Gegenteil, sie verspotten ihn sogar. Beliebt ist es nämlich, an diesem Tag "Todesgedichte" aufzusagen, die den Tod verspotten... Andere Länder, andere Sitten! Daran musste ich auch denken, als ich an diesem Tag auf dem Friedhof war. Total anders als in Deutschland. Überall Blumen und Mariachi, die sangen, und Kinder, die spielten. Man hatte das Gefühl, durch eine belebte Stadt mit tausenden von Kirchen zu laufen. Die Familiengräber waren so groß wie Gartenhäuser und so prachtvoll wie einige Kirchen. Es gababer auch einige, bei denen bloß ein Holzkreuz in einen Erdhügel geschlagen worden war. In einigen Regionen in Mexiko ist es üblich, am Día de Muertos “mit den Toten” in einem großen Kreis zu frühstücken. Ja, ihr habt richtig gelesen, MIT den Toten, die Leichen werden an diesem Tag hinausgenommen, gewaschen, bunt angemalt und auf den Sarg gesetzt. So, ein bisschen geht's noch weiter mit der Kulturgeschichte, es ist echt heftig, wie viel Kultur in Mexiko vorhanden ist. Lasst mich von meinem Ausflug zu den Pyramiden berichten. EIN WAHNSINNIGES GEFÜHL Am 10. November haben wir mit unserem Club einen Ausflug nach Teothituacan gemacht. Dieser Ort liegt etwa eine halbe Stunde von D.F entfernt und ist einer der angeblich heiligsten Orte der Erde. Dort stehen die zwei größten Pyramiden Mexikos, La luna y El Sol (der Mond und die Sonne). Sie wurden nach zwei aztekischen Göttern benannt und auf ihnen wurden den Göttern zu ehren opfergaben dargebracht (auch Menschenopfer). So sollten die Sonne und der Mond jeden Tag von Neuem aufgehen. Der höchste Punkt der “El Sol”-Pyramide ist bekannt als einer der größten “Energiepunkte” der Erde. Deswegen sahen wir dort viele mystische Gruppen die dort meditiert haben oder versucht haben, irgendetwas herbeizuwünschen (so sah es auf jeden Fall aus ;) ) Auch ich habe diesen Punkt berührt, und irgendwas ist da schon dran, es ist ein wahnsinniges Gefühl von positiver Energie… Vielleicht war's auch nur Einbildung, aber wer weiß… FREIZEIT Also, wo mach ich weiter? Ach jaa, *hehe*, habe ich schon erwähnt, dass ich nun schon seit Mitte November Ferien hab?? Jaha, die Endexamen sind nun endlich vorbei und ich habe Ferien, und das bis Mitte Januar *haha* :P Da habe ich doch gleich mal die Zeit genutzt und für meine Familie (die erste) typisch deutsch gekocht. Es gab: Möhrchensalat (Das lasst nie einen Mexikaner ausprechen! ;) ) mit Dressing, Bratkartoffeln, Spiegelei mit Würstchen und zum Nachtisch Kaiserschmarrn! War echt toll :D Doch ohne richtige deutsche Bratwürstchen geht's hier echt nicht. Sie haben hier nur so rosa Presszeug - *urgh*, ich will nicht wissen, was da alles drin ist. Nun ja, ging halt nicht anders… War trotzdem gut :D EINE NEUE FAMILIE Und dann gings auch schon bald in die USA! Jaha, ich war da!! In Texas, Brownsville an der Küste :D War sooo tolll!! Habe ganz viel eingekauft. Alles ist da so billig, das ist total krass *hehe* Und es war so warm, am Morgen um sieben Uhr schon 35 Grad, und es stieg noch bis 42 Grad hoch… Aber geil wars :D Und ich liebe Pancakes *lecker*! Nach diesem tollen Urlaub zum Abschied, war es dann am 25. November so weit - der erste Wechsel der Familien stand an. Da ging ich mit ziemlich gemischten Gefühlen dran, wie ihr wisst, hatte ich einige Probleme mit meiner ersten Gastfamilie, doch ich habe sie gemeistert und bin daran ganz schön gewachsen. Ich habe viel gelernt, und bin echt stolz, dass ich es drei monate bei ihnen ausgehalten habe. Manchmal war es nämlich echt hart. Nun gingen wir also am Sonntag mit gepackten Koffern und tausend Gedanken im Kopf zum Club Rotario. Dort wurden wir in unsere neuen Familien eingeteilt. Als mein Name endlich fiel, wusste ich, wo ich die nächsten vier Monate und Weinachten verbringen würde… Und ich bin soooo glücklich! Ohne Scheiß, es ist das Beste, was mir passieren konnte!! Ich lebe nun in einem etwas kleinerem Haus, das aber tausendmal gemütlicher und schöner gestaltet ist als mein erstes. Ich hab mich sofort wohl gefült! Die Küche ist ganz und gar im Kuh-Style gebaut worden, alles ist schwarz-weiß und die Stühle haben Kuhflecken xD Sooo toll :D Meine Mutter liebt Kühe... Ich habe auch einen Bruder, der ein wenig älter ist als ich und in meine Klasse in der Schule geht. Und dann ist da noch Naomi, die kleine verrückte Hündin, die wie ein Teil der Familie behandelt wird und totaaaal knuffig ist. Da kommt sie gerade neben meinen Stuhl, einen Moment… - Sie ist so knuffig :D Sie hat gerade ihre rosa Kuschel-Katze im maul und guckt mich mit großen Augen an. Ich hab sie sooo lieb, sie schläft im Moment auch immer mit im Bett bei mir und wärmt meine Füße xD Alles in allem ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich habe hier alles, was ich in der anderen Familie vergeblich gesucht habe. Das Wichtigste: Liebe! Hier werde ich wie ein Teil der Familie behandelt und nicht wie ein ungebetener Gast… Ich fühle mich sauwohl und habe ihnen als kleines Geschenk einen Adventskalender gebastelt, so als kleine deutsche Tradition, hier ist das nämlich nicht üblich. Sie haben sich so darüber gefreut!! DIE GROSSE VERSAMMLUNG Und zum Abschluss will ich euch noch von der Versammlung der Nationen aller Austauschschüler von Rotary in Zacatecas erzählen. Es war der Hammer!! Die Versammlung fand mit knapp 1000 Austauschschülern aus aller Welt statt. Sie kamen wirklich aus aller Welt, nicht nur aus Brasilien, Europa und den USA. Einige kamen auch aus Südafrika, Taiwan, Neu Seeland, Bermudas, Japan und vielen weiteren Ländern. Etwa 40 verschiedene Länder waren vertreten. Es war so genial, wir haben einen riesen Sportwettkampf gehabt und haben eine Mine besichtigt. In einer “Arena de Charros” haben wir uns den Nationalsport angeschaut und sind alle zusammen in eine Disco gegangen. So haben wir eine richtige “Noche mexicana” erlebt! Es war gigantisch, das beste jedoch der Festzug durch die Stadt Zacatecas. Ein Riesen-Umzug, jedes Land war vertreten durch singende, hüpfende Jugendliche, die hinter ihrer riesiegen Landesflaggen hinterherliefen. Es war ein Bild, das ich nie vergessen werde. Und eine Stimmung!!! Wenn da ein Deutscher wieder rief: “Hin-setz-en, Hin-setz-en”... Ich denk' ihr wisst, was danach kommt ;) Wir 120 Deutschen waren die lautesten von allen Teilnehmern und haben Lieder und Schlachtrufe gesungen, das war einzigartig. Es tat so gut, einfach mal patriotisch zu sein. Dieses Gefühl kennen leider viel zu wenige in Deutschland - dass wir stolz auf unser Land sein dürfen, das es nach zwei Kriegen, in denen es am Boden lag, nun zu einem der meist geschätzten und industriereichsten lander der Erde gehört! Und dass viele uns auf der Erde bewundern! Ich hoffe, dass wir das, was wir durch harte Arbeit geworden sind, nicht durch den Scham der Vergangenheit unterbuddeln. Denn: “Jedes Land der Erde hat seine Geschichte, seine schlechten und guten Seiten. Was zählt ist das, was die Menschen HEUTE daraus machen!” Ich denke, unsere Generation hat die Aufgabe, endlich nach vorne zu schauen! Diese Versammlung der Nationen, war, so glaube ich, eines der prägendsten Dinge meines Lebens. Zu erkennen, dass im Endeffekt alle Jugendlichen der Erde die selben Traume und Ziele haben, zu sehen, dass der Himmel in anderen Ländern genauso blau ist, wie in jedem anderen Land auch. Zu erkennen, dass wir alle auf der selben Erde leben und wir stark genug sind, gegen den Hass und die Kriege auf der Welt zu kämpfen, wenn wir alle mit anpacken. “Eines der Ziele von 'Rotary International' ist es, den Frieden und die Verständigung der Völker zu fördern.” Nun verstehe ich diese Worte. Der Präsident von 'Rotary Mexiko' hat in seiner Rede in die Menge gefragt: "Wollt ihr Frieden? Wollt ihr alle wirklich Frieden? Ihr habt die Chance, diese Welt zu ändern!" Austauschprogramme sind so wichtig, und ich rate es jedem wirklich von Herzen, ein Austauschjahr zu machen. Um seinen Horizont zu erweitern - es ist so unglaublich… Und der Präsident hat wirklich Recht - ich für meinen Teil kenne nun so viele Menschen auf der ganzen Welt und habe etwas gesehen, etwas verstanden, das ich am liebsten jedem weiter sagen will. FAZIT NUMMER ZWEI Wie ihr seht, bin ich ich emotional immer noch gefangen von den vielen Eindrücken, die ich gewonnen habe. Aber es ist einfach krass, was man als Austauschschüler alles erleben kann! - Nun habe ich schon so viel geschrieben - Glückwunsch, dass du's durchgehalten hast und bis hier gelesen hast ;) Ich werde nun aufhören, die nächsten Wochen werden genauso spannend. Die Aufführung des Krippenspiels, "Six Flags" (der größte Freizeitpark Lateinamerikas ;) ), natürlich die Advents-Zeit, Weihnachten und Silvester… Davon werde ich dann das nächste Mal berichten. Ich wünsche auch allen eine gemütliche und stressfreie Adventszeit, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2008! Gott segne euch, ich hab' euch lieb und denk' ganz oft an euch!! Alles Liebe, Regina (06.12.2007) |