
Aus den USA berichtet unsere Korrespondentin Sina Voigt von ihren Erlebnissen in ihrer neuen Heimat, der Kleinstadt "Boulder City" in der Nähe von Las Vegas. Sie erzählt von einer außergewöhnlichen Geburtstags-Party und einer offensichtlich ziemlich peinlichen Angelegenheit namens "Homecoming-Dance". Nebenbei hat unsere Autorin in der nevadischen Wüste ihre Leidenschaft fürs Quad-Fahren entdeckt und schwärmt neuerdings für "Peanut butter & Jelly Sandwich". Außerdem wurde sie gefragt -wer hätte das gedacht-, wie alt man bei uns sein muss, um Alkohol zu trinken...
Ich lebe jetzt schon gut zwei Monate in Boulder City, eine kleinen Stadt mit rund 15.000 Einwohnern in der Nähe von Las Vegas, Nevada.
Ich habe schon sehr viel erlebt. Ich war eine Woche mit meiner Gastfamilie im Urlaub in Utah (da haben wir ein Ferienhaus), da ist das Wetter eher so wie in Süddeutschland. Sehr schön mit den Bergen und Wäldern. Mit YFU [Sinas Austauschorganisation, Anm. d. Red.] war ich im Zion-Nationalpark zum Bergwandern, habe Las Vegas bei Nacht gesehen und war im Hoover Dam [ein Fluss] An meinem Geburtstag bin mit dem Quad meines Gastvaters durch die Wüste geheizt. Einfach mega cool.
Jeden Tag muss ich um acht Uhr in der Schule sein, um immer in der ersten Stunde Mathe, dann Physik, Spanisch, Englisch, Biologie und als letztes "U.S. History" zu büffeln. Alles Fächer, die ich individuell wählen konnte, wie jeder Schüler hier. Hier werden wesentlich wesentlich öfter Tests geschrieben, entweder per "Multiple Choice" oder "Short Answer". Dafür sind die aber nicht ganz so schwer. Meine Schule hier ist nicht ganz so leicht, wie alle in Deutschland denken. "Boulder City High School" ist die schwerste in ganz Nevada, sagt man.
Ein besonderer Geburtstag
Das beste Wochenende war mein Geburtstagswochenende! An meinem Geburtstag, Freitag, den 5. Oktober, hatten wir schulfrei. Und das Beste am freien Tag: Keine Hausaufgaben, die hier wesentlich umfangreicher sind als in Deutschland *grr*
Eigentlich habe ich nicht wirklich etwas am Freitag tagsüber gemacht, deswegen habe ich den Tag über wohl auch am meisten an Deutschland und meine Freunde gedacht...Ich vermisse euch manchmal so schrecklich doll!!! :-* Aber am Abend bin ich zum Strip in Las Vegas mit ein paar anderen Austauschschülern gegangen (Bild oben rechts)!!! Da hatten wir dann wirklich ne Menge Spaß und haben 1000 Fotos gemacht. Wir haben sogar die Wassershow gesehen!!! Jaa... Las Vegas am Abend hat schon was: Man kann mitten in der Nacht Pizza essen, ins Kino gehen oder natürlich Glücksspiele spielen, wenn man alt genug ist und genug Geld hat :D
Na ja, auf jeden Fall habe ich bei einer anderen Austauschschülerin übernachtet und nach vier Stunden Schlaf mussten wir leider zu einer "YFU orientation" [eine Art Zwischenbesprechung]. Es war relativ langweilig, doch in der Zeit, als ich nicht zu Hause war, haben meine Gasteltern super viel für die Family-Party am Abend vorbereitet (Bild links). Ich kam also nach Hause, und überall waren Luftballons, die Geschenke auf dem Tisch, alles schön geschmückt, das Essen vorbereitet, im Garten ein Volleyballnetz aufgebaut, eine Playlist mit Musik zusammengestellt und genug Feuerholz für ein schönes Feuer am Abend geholt!
Später, als dann meine ganze Familie da war, ging es ans Geschenke auspacken, doch vorher musste ich die Kerzen auf der Eistorte auspusten und mir dabei etwas wünschen, wobei alle gespannt zuschauten. Als ich all die Geschenke auspacken durfte, war ich wirklich super glücklich und kurz vorm losheulen... Ich hab mich so gefreut, weil ich merkte, dass meine ganze Gastfamilie mich als Familienmitglied akzeptiert und zwar so wie ich bin. Die Gefühle, die ich an diesem Tag hatte sind unbeschreiblich. Alle waren sooo nett zu mir und machten diesen Tag zu einem der besten meines Lebens!!!
Freizeit
Am Sonntag nach meinem Geburtstag bin ich mit meinen Gastvater, meinen beiden Cousins, meinem Opa und meinem Onkel in die Wüste zum Quad- und Motorradfahren gegangen (Bild rechts). Das macht einfach nur viel, viel Spaß!!! Selber fahren darf ich erst, wenn ein bestimmtes Formular fertig ausgefüllt ist, doch Mitfahren hat auch schon was.
Hier ist es auch schon ziemlich warm. Im Sommer so um die 40 Grad Celsius oder sogar höher und im Moment, im Oktober, 20 bis 28° C oder 70 bis 80° F. Fahrenheit, Meilen - ich hasse das ständige Umrechnen in die anderen Maßeinheiten. Das erste Mal als wir bowlen gegangen sind, hatte ich keine Ahnung welche Schuhgröße ich habe... Und wie groß oder schwer ich bin, wusste ich auch nicht xD
Vor ein paar Wochen, am Wochenende, gab es hier einen Ball, den “Homecoming-Dance”. Eine ganz große Sache. Die Jungen fragen ein Mädchen, ob es mit ihm zusammen zum Ball gehen möchte. Die Mädchen hoffen, dass sie von ihrem Schwarm gefragt werden und wenn das passiert, sind sie sehr aufgeregt. Am Tag selbst lassen sich die meisten Mädchen die Haare machen und brezeln sich tierisch auf. Sie tragen schicke Kleider und die Jungs erscheinen in einem Anzug. Der Junge holt das Mädchen von zu Hause ab und man geht vor oder nach dem Ball zusammen Abendessen. Viele lassen noch ein professionelles Foto machen.
Zwischenmenschliches
Die Leute hier sind viel oberflächlicher: „Wir müssen unbedingt mal was zusammen machen“, meint man zwar nicht, aber es ist höflich das zu sagen. Auf die Frage wie es einem geht, wird eigentlich gar keine Antwort erwartet. Na ja, aber nett sind Americaner dennoch alle!
Auch ist es ihnen schwer zu erklären, dass wir in Deutschland nicht gerne oder oft lange Autofahrten machen. Wir würden nie mal eben so nach Berlin oder München fahren. Hier ist es kein Problem ein- oder zwei Mal im Monat für ein Wochenende nach Utah oder Kalifornien zu fahren. Das sind ja nur vier, fünf oder sechs Stunden...
Interessant ist auch, dass die erste Frage, die man mir stellt meistens die ist, wie alt man in Deutschland sein muss um Alkohol trinken zu dürfen. xD Viele erzählen mir auch, dass sie deutsche Vorfahren haben, auf die sie sehr stolz sind. Da kommt es schon mal vor, dass jemand sagt, er sei zu einem Achtel Deutscher.
Zum Abschluss möchte ich noch was zum Essen sagen: Richtig gekocht wird eigentlich nie. Es ist praktischer und schneller, etwas Tiefgefrorenes aufzuwärmen, oder Sachen mit dem Prinzip der “5-Minuten-Terrine” zu essen. Doch was ich sicher vermissen werde, sobald ich wieder in Deutschland bin, ist mein Mittagessen. Mein “Peanut butter & Jelly Sandwich”, das schmeckt einfach nur genial und die vielen Snacks, Brownies, Cookies, Muffins, etc...
Auf jeden Fall habe ich es nicht eine Sekunde bereut, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Alle Erfahrungen und Eindrücke, die man so sammelt, sind einfach erlebenswert!!