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Sterne im Whirlpool PDF Drucken
Weit weg - Thekla Egdorf

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In Deutschland wird es langsam Sommer – in Australien aber wird es Herbst; allerdings fallen keine Blätter von den Bäumen, sondern die Eukalyptusbäume schälen sich. NGO-Onlinemagazin-Autorin Thekla Egdorf verbringt ein Auslandsjahr am anderen Ende der Welt. Sie berichtet von einer traumhaften Luxus-Kreuzfahrt im Pazifik: mit durchfeierten Nächten, gepfefferten Cocktails, Bananenblatt-Rutschen und einem schaukelnden Shopping-Center.

Seit dem 1. März ist hier Herbst. Eigentlich fühlt es sich überhaupt nicht nach Herbst an, denn es ist immer noch 28 Grad warm und die Blätter an den Bäumen verfärben sich auch nicht. Normalerweise freue ich mich um diese Jahreszeit auf den Frühling und das die graue Zeit endlich vorübergeht, aber dieses Jahr freue ich mich auf den australischen Herbst, der eigentlich wie der Sommer in Deutschland ist. Es ist verwirrend, aber auch gleichzeitig schön mit anzusehen. Statt rot und orange gefärbten Blättern, Eichen und Kastanien, schälen sich die Eukalyptusbäume in Australien. Die Rinde schält sich vom Baum und hinterlässt eine ganz frische neue Schale. Frisch und jung geht es dann in den Winter.

Dem Winter davonlaufen
Eigentlich ist es schon ganz angenehm: Ich bin im Sommer in Deutschland losgeflogen und habe die meiste Zeit über in Australien Sommer gehabt. Wenn es wieder Winter wird, komme ich nach Hause. So lässt es sich leben. Ich laufe dem Winter davon und genieße die täglichen Sonnenstrahlen!

Wie ihr wahrscheinlich alle mitbekommen habt, gab es hier im Februar große Probleme mit Überflutungen und einem Buschfeuer in Melbourne. In den letzten Monaten war es wirklich sehr heiß (um die 43 Grad) und manchmal war der Himmel grau vor Ruß und Staub. Es war durchgehend stickig und unausstehlich, wenn man für längere Zeit draußen gewesen ist. In meiner Stadt gab es weiter keine größeren Probleme, aber da wir in der Mitte des ganzen Geschehens waren, haben wir sehr viel davon mitbekommen.

Waldbrand in Australien
(im Februar 2009)
Foto: Daniel Cleaveley

Aufbauarbeiten nach den Waldbränden
Mittlerweile sind die Feuer aber unter Kontrolle und die Aufbauarbeiten sind im vollen Gange. Mit Hilfe von Rotary haben wir (alte) Klamotten verkauft und das Geld an die betroffenen Gebiete geschickt. Das war eine große Hilfe, man glaubt es kaum. Von den Überflutungen haben wir nicht wirklich viel mitbekommen, außer, dass riesenlange Staus auf den „Freeways“ die Stadt versperrten.

Ich muss aber schon sagen, alle Australier haben sehr viel geholfen und mittlerweile geht alles wieder Berg auf. Die internationalen Flughäfen haben sogar extra Flüge verlegt, organisiert und umgebucht. Es waren schon ein paar echt aufregende Monate.

Koalabären im Garten
In der Hitze hatten es ganz viele Tiere sehr schwer und selbst ich war im Garten und habe Possums gefüttert, weil sie kein Essen mehr gefunden haben. Eine andere unglaublich tolle Erfahrung war, dass ein Koalabär in unserem Garten herumgelaufen ist und ganz müde und zerzaust aussah. Wir haben ihm Wasser gegeben und er hat sich so sehr darüber gefreut, dass er gleich ganz in den Wassereimer gesprungen ist.

Im Februar war ich außerdem noch sehr oft in Sydney. Es ist einfach eine tolle Stadt. Meine Freunde und ich sind auf die Harbour Bridge geklettert und haben den wundervollen Ausblick über ganz Sydney genossen. Mit meinen Gasteltern war ich in einem Konzert in Sydney und wir haben außerdem die ganze Zeit damit verbracht, mit dem Wassertaxi auf dem Harbour rum zu düsen und uns über die salzigen kleinen, kühlen Wasserspritzer zu freuen.

Tauchen am Quallenstrand
Bei uns am Strand sind im Moment ganz viele kleine, blaue Quallen. Sie sehen unglaublich schön aus, sind aber dem entsprechend auch wirklich schön giftig und wenn man die blauen Fasern berührt, tut es weh. Es ist so ungefähr wie ein Wespenstich, nur dass es nicht aufhört zu brennen für die nächsten zwei Tage. Sie können einen nicht töten, man hat aber das Gefühl als ob doch. Und glaubt mir, es tut weh!

Im März habe ich meinen Tauchschein gemacht. Yeeeej! Tatsächlich bin schon an meinem zweiten Tag 18 Meter tief getaucht und ich war so überwältigt von den Seesternen und den bunten Korallen und Fischen überall, dass ich am liebsten gleich dort geblieben wäre. Es war einmalig und seitdem gehe ich mit einem Freund hier an der Küste tauchen und es ist wirklich schön.

 


Im April hatte ich dann auch endlich Ferien. Drei Wochen lang nur Ferien! Ich hatte das Glück mit Freunden von meiner Gastfamilie auf eine Kreuzfahrt zu kommen. Es war traumhaft! Das Schiff war riesengroß und 3000 andere Gäste waren mit uns an Bord. Wir sind in Sydney losgefahren und dann waren wir erst einmal vier Tage irgendwo mitten im Pazifik.

Durchschaukelte Nächte
Eine Nacht lang hatten wir einen Sturm und es war doch schon ein bisschen ungemütlich alles festhalten zu müssen, weil die Wellen draußen fünf Meter hoch waren und man weit und breit kein Stück Land gesehen hat. Ich musste auf dem Schiff auf die Kinder der Freunde aufpassen. Vier liebe Kinder, die ein bisschen seekrank waren, sich dann aber doch an das Hin- und Herschaukeln in der Nacht gewöhnt haben.

Nach vier Tagen waren wir auf unserer ersten Insel in Vanuatu. Es war eigentlich viel zu unecht. Die Landschaft mit Palmen und grünen Bäumen, die Strände wie im Bilderbuch und das klare Wasser mit Muscheln und Korallen. Es gab frisches Obst, eine Art Maismehl-Brot und dazu das berühmte „Kava“. Kava ist ein Getränk aus den Wurzeln einer Pfefferpflanze. Ich habe zu gesehen, wie sie die Getränke vorbereitet haben. Sie haben die Wurzeln gerieben und daraus entstand ein weißlicher Saft. Wir haben diesen Saft mit ein bisschen Kokosnusssmilch gemischt. Der Geschmack? Ja, es war eine Mischung aus Kokosnussmilch und einem bitteren, richtig scharfen Nachgeschmack.

Narkose wie beim Zahnarzt

Die Mundpartie wird ein wenig taub und es fühlt sich so ähnlich an, als ob man gerade mit einer Narkosespritze vom Zahnarzt gekommen ist. Kava kühlt schön, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem dein ganzer Mund taub ist und das Ganze ungefähr für eine Stunde anhält. Manchmal haben wir es auch mit anderen Getränken zusammengemischt und es war jedes Mal ein bisschen anders. Es war etwas wirklich Neues. Wir haben am Strand gesessen und die einheimische Sprache gelernt und natürlich Kava getrunken, bis es nicht mehr ging. Dann bin ich mit einer tauben Zunge auf normale Cocktails umgestiegen.

Später in der Nacht mussten wir zurück auf das Schiff und unsere Reise ging weiter in dem tief blauen Ozean in Richtung Port Vila, ebenfalls in Vanuatu. Port Vila war etwas größer und hatte auch mehr Einwohner als Pentecost. In Vila sprechen alle Französisch. Wir haben uns mit zehn Leuten in ein Taxi gequetscht und uns an der niedrigen Decke bei jedem Schlagloch die Köpfe angeschlagen. Das störte in den 20 Minuten Fahrt auch keinen mehr, denn die Umgebung war so anders und hübsch, dass wir nur Augen dafür hatten.

Süße Marktluft
Erst sind wir in die Stadt gefahren. Überall waren Hunde und Pferde auf der Straße, so dass es nochmal 20 Minuten gedauert hat bis wir bei den Märkten angekommen sind. Die Märkte waren genial. Ich finde kein anderes Wort, denn es war einfach unbeschreiblich toll.

Früchte, überall aufgestapelt, machen die Luft süßlich und frisch. Kokosnüsse und Bananen werden fast verschenkt und andere Früchte, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe, habe ich natürlich probieren müssen. Die Namen waren außergewöhnlich und nicht einfach auszusprechen, also zeigte ich nur darauf. Das Lächeln der Verkäufer wurde um einiges breiter, wenn sie dem einzigen Mädchen mit der hellen Hautfarbe weiterhelfen konnten.

Stoffe und Gewänder
Die Händler, die die tollen Seidenstoffe verkauft haben, haben mit mir verhandelt und später doch aufgegeben. Ha! Die Gewänder mit Blumen und feiner Wolle habe ich auch hier bekommen und sowieso war der Markt eines meiner besten Erlebnisse in Vila. Wie ihr wahrscheinlich merkt, gehen mir die Adjektive aus. Macht aber nichts, denn ich hoffe ihr könnt verstehen wie toll es war!

Nachdem wir fast den halben Tag auf dem Markt gewesen waren und uns auch noch durch die Gewürz und Schmuckabteilung geschafft hatten, sind wir zu den berühmten Wasserfällen in Vila gefahren und wir haben einen kleinen Spaziergang durch die Palmen und Bambusse gemacht. Durch Bananen und Dattelpflanzen sind wir immer dem Wasser gefolgt. Dann hatten wir ein kleines Picknick und danach sind wir für eine Abkühlung ins Wasser gegangen und haben die Höhlen hinter dem rauschenden Wasserfall erkundigt. Wir haben uns Bananenblätter geholt und sind damit die Felsen runtergerutscht. Meine Beine waren zwei Tage später immer noch blau, aber das war es Wert, so viel Spaß, wie wir hatten. Später war ich dann noch im Pazifik schnorcheln und habe den Seepferdchen zu geguckt, wie sie hinter den bunten Meerespflanzen Verstecken gespielt haben.

Sterne gucken im Whirlpool
Abends ging es wieder zurück zum Schiff, wo uns jeden Abend ein luxuriöses Abendessen erwartete. Cocktailpartys und Unterhaltungsshows waren auf dem Schiff bis spät in die Nacht, aber manchmal haben ein paar Freunde und ich einfach im Whirlpool gesessen und uns die Sterne angeguckt, bis es schon fast wieder hell wurde. Ich sag‘ euch, ich werde diese Zeit nie wieder vergessen.

Am nächsten Tag war Ostersonntag und wir konnten auf Grund des Wetters nicht an Land. Wir haben die Kinder in den „KidsClub“ gesteckt und haben uns einen Tag im Shoppingcenter des Schiffes gegönnt. Von Gucci-Taschen, Ohrringen, Halsketten und Klamotten bis hin zu Parfum und Kameras konnte man alles bekommen. Wenn das Schaukeln des Schiffes nicht gewesen wäre, hätte man denken können, man wäre in einer Stadt und ginge dort einkaufen.

Am nächsten Tag sind wir nach New Caledonia gefahren, einer Insel in der Nähe von Fiji. Noumea war die Hauptstadt, an der wir angelegt haben. Es war eine nette kleine Stadt mit Stränden und jeder Menge Touristen. Allerdings hat keiner so richtig bedacht, dass an Ostersonntag alle Geschäfte geschlossen waren und die Stadt ziemlich leer und verlassen aussah. Aber die Australier sind so! „No Worries“ - ich muss sagen, ich mag diese gemütliche Einstellung im Moment sehr gerne.

Also hat uns das alles weiter nicht gestört. Wir haben einen freundlichen kleinen Mann namens Armagi getroffen, der uns eine Stadtführung für ein paar Dollar in seinem neugekauftem Auto gegeben hat. Er hat uns die große Nickel-Anlage gezeigt (auf die alle Einwohner sehr stolz sind) und den Vulkan, der immer noch sehr aktiv ist und an dem sich trotzdem keiner stört. Hässlich und riesengroß, mit Wolken umringt ragt er aus der Erde sieht so aus, als ob er dort nicht hingehört. Zum Schluss hat Armagi uns noch einige schöne Häuser in der Stadt gezeigt und wir haben natürlich sein Haus sehr bewundert, denn er ist extra zweimal daran vorbei gefahren und einmal hat er angehalten, um sein Mittagessen abzuholen.

Danach habe ich mich ein bisschen alleine umgeschaut. An der Strandpromenade habe ich mich dann für ein kleines, nettes Café entschieden, wo ich Postkarten geschrieben habe. Dabei habe ich die Aussicht auf das Wasser genossen und ein Ingwergetränk mit einem französischen Namen bestellt. Es war sehr schön und ich habe es genossen, mal nicht auf das Kleingemüse aufzupassen. Das Getränk war auch sehr lecker.
Dann habe ich es doch tatsächlich noch hinbekommen, eine Busfahrkarte zu kaufen (natürlich auf Französisch), den Bus zu kriegen, der sogar in die richtige Richtung fuhr und dann bin ich heile wieder am Hafen angekommen.

Nachdem ich im Schiff war und meine Sachen ausgepackt hatte, ging es auch schon wieder weiter. Diesmal wieder zurück nach Sydney, wo wir drei Tage später auch angekommen sind. Ich hatte noch drei wunderschöne Tage mit den Kindern und ich habe auch das sehr genossen. Ganz früh am Morgen (5.30 Uhr) sind wir im Hafen angekommen. Während wir unter der Harbour Bridge durchgefahren sind, haben wir die Sonne aufgehen sehen. Das Opera House hat uns wieder einmal zugewunken mit den Fliesensegeln, die sich der Sonne entgegenstreckt haben.

Das war die zehntägige Kreuzfahrt im Pazifik und ich habe es wirklich sehr schön gehabt.

Nächste Woche um diese Zeit bin ich dann auf Safari und reise durch Australien für drei ganze Wochen, ich freue mich schon und ich werde euch dann natürlich alles erzählen. Macht‘s gut und genießt das tolle Wetter in Oldenburg. (19/03.05.2009)


Kleine Stadt an der Südostküste Australiens

Wenn sie gerade nicht auf Kreuzfahrt oder Safari ist, wohnt NGO-Onlinemagazin-Autorin Thekla Egdorf in Warren, einer kleinen Stadt im Bundesstaat New South Wales. Warren hat etwa 2.000 Einwohner und ist 536 km von Sydney entfernt.
 

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